Auf dem Deich überlegte er, was er nun tun sollte, und betrachtete die schönen, rotbäckigen Äpfel. Wie fein die rochen! Ob sie wohl behext waren und ob er wohl krank davon wurde, wenn er sie aß? Die Mutter hatte es gesagt, aber sein Vater hatte darüber gelacht, und sein Vater war der Oberste für ihn: er wollte sie getrost essen.
„Klaus, kumm hier mol her! Wat hest du dor, wat sünd dat för Appeln?“ — rief die Mutter, die mit einem Mal neben ihm stand. O weh — das hätte nicht kommen dürfen. „Kantappeln, Mudder!“ „Keen hett di de geben?“ Junge, daß sein Vater ihm das Lügen verboten hatte! Nun mußte er mit der Wahrheit an den Tag. „Sill, för de Schullen, de ik ehr to bröcht hebb.“
„Her de Appeln!“
„Och, Mudder!“
„Her de Appeln, de schallst du ne upeten!“
„Och, Mudder, lot mi de doch, kebb solangen keen Appeln mihr hatt!“
„Giffst du de her, Klaus?“
Er wollte flüchten, aber sie kriegte ihn am Hosenträger und nahm sie ihm weg. Hastig steckte sie sie in die große Tasche, die sie unter der Schürze trug, und ging ins Haus zurück. Störtebeker lief hinterher und versuchte, sie ihr wieder abzuschnacken, aber er erreichte es nicht, sie war unerbittlich. Da legte er sich auf die Lauer und beobachtete sie heimlich, ohne daß sie es gewahr wurde. Und als er sie später aus der Tür kommen hörte, da versteckte er sich schnell im Binnendeich hinter der dicken Wichel. Gesa sah sich scheu um, ob auch einer guckte, dann lief sie in den Garten, grub ein Loch und steckte die Äpfel hinein, um die Hexerei unwirksam zu machen.
Kaum war sie aber wieder oben, als Störtebeker geschlichen kam und die Äpfel wieder ausgrub. Diesmal besah er sie nicht lange, sondern wischte sie schnell an der englischledernen Hose ab und steckte sie in die Tasche. Erst als er in sicherem Versteck am Westerdeich saß, in seinem Storchnest, das er sich im Wipfel einer abseits stehenden Esche gebaut hatte, betrachtete er sie wieder und aß sie dann mit großem Behagen auf, ohne bange zu sein, daß er krank danach werden könne. Dazu schmeckten sie viel zu gut.
Als er wieder nach Hause kam, dick und satt, lag ein gelber Prinzapfel auf dem Tische und die Mutter sagte: „Kiek, Klaus, dor hebb ik noch een van uns egen Appeln int Heid funnen, de smeckt beter un dor warrst du ne krank van. Den et man up.“