„Dat mütt Vadder sülben weten,“ erklärte sie aber, „dor is he dichter bi de See un hett dor ok woll noch en beter Markt as boben an Altno.“

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Und richtig erzählte die Stutenfrau, die lebendige Zeitung des Deiches, am andern Morgen, daß so viel Schollen oben an der Brücke wären, daß kein einziger Ewer leer geworden sei. Sie müßten alle überliegen und hätten morgen wohl nur noch tote Fische im Bünn, die sie den Hökerweibern nachwerfen könnten, ohne daß diese sich auch nur umguckten. Da sah Gesa ihren Jungen an: doch man god, wat Vadder no de Wesser is! — aber Störtebeker steckte eine hochmütige Miene auf, die heißen sollte: teuft man af, in Bremerhoben is dat Markt vullicht noch slechter!

Die Stutenfrau erzählte weiter, daß Metta Focken Zwillinge bekommen hätte — twee lütje Jungens, ober krekel un gesund! — daß Hinnik Bott seinen Ewer kondemmen ließe und daß Jochen Fahjes Knecht auf See über Bord gekommen und ertrunken sei, nachts. Er hätte sich noch lange über Wasser gehalten, aber sie hätten ihn nicht wiederfinden können, weil es so dunkel gewesen wäre. „Jochen, rett mi, Jochen, rett mi!“ hätte er immer gerufen, bis er weggesunken sei, die schweren Seestiefel hätten ihn zuletzt hinuntergezogen. „Is man en Butenlanner, Gorch hett he heten, ober wat is dat bedreuft,“ schloß die Frau.

Störtebeker lehnte am Deichpfahl, einem abgesägten Kurrbaum, der noch die Zeichen H. F. 125 trug, und hörte zu.

Sechster Stremel.

Störtebeker stand binnendeichs und heilte seine Bunge aus, die zwei große Löcher hatte; entweder war ein Hecht hindurchgeschossen, oder der Bauer hatte sie mit Willen entzweigestoßen. Da begab es sich, daß der Briefträger den Deich entlang kam. Als der Junge ihn sah, dachte er an einen Brief von seinem Vater, aber er mochte doch nicht fragen. Erst, als er Jan Beier in das Schütt gehen sah, ließ er die Bunge liegen und sauste ins Haus hinein.

„Van Bremen, Gesa,“ sagte der Briefträger gerade und gab seiner Mutter einen Brief, wobei er den Herd mit den Augen streifte und lüsterte, ob der Kessel über dem Feuer hing. Und als er das Wasser singen hörte, hellte sich seine Miene auf, er holte den großen Beutel aus der Hosentasche, setzte ihn gewichtig auf den Tisch und sagte: „Hunnert Doler, mien Diern!“

„Junge, Junge, Mudder, wat en Hümpel!“ rief Störtebeker aus, als er die Goldstücke sah, dann aber wurde er nachdenklich und sagte: „Wat kann dat angohn? Wenn Vadder de Schullen uthökert, denn kriegt he doch luter Groschens un nu sündt mit eenmol all Guldstücker?“

„Jä, dat zaubert wi uppe Post all trecht,“ antwortete der Postkerl geheimnisvoll.