Gesa holte geschwind ein Glas aus dem Teeschapp und tat Rum und Zucker hinein, denn es war Jan Beiers herkömmliches Recht, daß er einen Grog verlangen konnte, wenn er Geld gebracht hatte. Er setzte die Mütze auf den Tisch, die Störtebeker wie einen Maikäfer betrachtete, holte das rotbunte Taschentuch heraus und wischte sich die Stirn, obgleich ihn gar nicht schwitzte, dann ließ er eine kleine Rede über den langen Weg und sein Alter los, um sich vor der Kaiserlich Deutschen Reichspost zu rechtfertigen, zuletzt aber zerstieß er den Zucker und rührte den Grog liebevoll um; er hielt das Glas gegen das Licht, er probte, wie ein Weinküfer, mit geschlossenen Augen, und nickte, zum Zeichen, daß er gegen das Verhältnis der Zutaten nichts einzuwenden wußte, schließlich aber trank er das Glas in einem Zuge leer und sagte zu Störtebeker: „Dat Glas kannst du utlicken.“
„Ik bün keen Restensuper,“ sagte der Junge verächtlich und schob das Glas von sich, Jan Beier aber machte sich reisefertig, nahm seinen Gutentagstock aus der Ecke und ging aus der Tür mit den hergebrachten Worten: „So, nu geiht dat irst mol wedder! Adjüst, mien Diern!“
„Jüst, Jan!“
„Junge, Junge, Mudder: Vadder, de kannt ober!“ rief Störtebeker bewundernd, sie aber steckte das Geld schnell in die Kommode und verbot ihm, es am Deich zu erzählen, wieviel sie bekommen hatte. Dann machte sie den Brief auf, auf dessen Umschlag wie immer nur stand:
Klaus Mewes, Finkenwärder,
ohne Herrn und ohne Elbdeich und ohne: bei Hamburg. „Se findt mi ok so,“ pflegte Klaus Mewes heiter zu sagen, wenn Gesa ihm das vorhielt.
Sie las den Brief dem Jungen vor, erst hochdeutsch, wie er geschrieben, und dann plattdeutsch, wie er gemeint war. Diese Briefe von der Fahrt waren einander dermaßen gleich, daß Gesa schon manches Mal gesagt hatte, sie wolle sie ihm vorschreiben bis auf dreierlei, das er dann nur noch auszufüllen hätte: den Hafen, das Datum, die Geldsumme.
Bremen, den 29. März 1887.
Liebe Gesa!
Wir sind hier glücklich angekommen, haben 300 Stieg gehabt und 350 Mark gemacht. Ich schicke Dir 300. In Bremerhaven war es zu voll, deshalb sind wir raufgesegelt und haben es ganz gut getroffen. Diese Nacht gehen wir wieder runter. Ob wir die andre Reise nach Hause kommen, weiß ich noch nicht. Das Markt ist ja immer so schlecht auf der Elbe. Wenn Störtebeker mitgegangen wäre, hätte ich ihm schön Bremen zeigen können. Wir sind noch gesund und munter, was ich auch von Euch hoffe.