Da packte Störtebeker seine Fische in ein Netz, lief damit nach der Jolle, die im Sielgraben lag und schon ungeduldig mit dem Segel giekte, und hängte sie in den Bünn. Hannes Husteen machte spaßeshalber einige Einwendungen: wenn bloß ne son slecht Markt is, dat ik jüm los warr ... de Dinger sünd ok so lütj: wenn de de Hökerwieber man nehmt ... Als Störtebeker aber sagte: „Denn schallst du jüm gorne mithebben, du Bangbüx,“ und den Bünn wieder aufmachen wollte, da hielt der Elbfischer ihn zurück und gelobte, sein Bestes zu tun und die Fische so teuer als möglich zu verkaufen und wenn er sie dem Bürgermeister von Hamburg selbst ins Haus bringen müsse und die Tide darüber versäume.

Achtundzwanzig Groschen bekam Gesa den andern Tag für ihren Jungen ausbezahlt. Störtebeker, der die Elbfischerfrau ankommen sah, versteckte sich schnell, damit er nicht Danke zu sagen brauchte.

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Sein Vater fuhr weiter nach der Weser, als wenn er den Weg nach der Elbe ganz vergessen hätte. Bald kam eine Kunde von Geestemünde, bald von Vegesack oder Elsfleth oder Bremen oder Brake, einmal sogar von Oldenburg. Klaus Mewes kroch in alle kleinen Löcher hinein und versorgte die ganze Unterweser mit springenlebendigen Klapperschollen und mit Finkenwärder Plattdeutsch. Sie kannten den fröhlichen Finken an Geeste, Hunte, Lesum und Weser gleich gut und freuten sich, wenn er mit aufgekrempelten Armen auf den Luken stand und seine Fische pries. Nach dem Elbdeich kamen nur Briefe und Anweisungen auf Geld.

Störtebeker war böse auf seinen Vater und er machte seiner Mutter gegenüber kein Hehl daraus. Zumal mittags tat er den Mund auf wie ein Kesselflicker. Nach dem Fahrwasser ruderte er nur noch selten hinaus, denn der Ewer kam ja doch nicht und die Seefischer lachten ihn ja schon bald aus, wenn er fragte.

Er hätte wohl nicht gewußt, was er mit seiner Zeit anfangen solle, wenn die Eve nicht sieben Junge gekriegt hätte, die ihm viel Arbeit machten, und wenn nicht die Tage der Ostermoonen angebrochen wären.

Die Tage der Ostermoonen, der Osterfeuer am Westerdeich!

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Was steckt in den Jungen, daß sie die Feuer anzünden, wenn die Sonne höher steigt? Die alte Heidenfreude ist es, die Freude an der Welt, an der Sonne und am Licht, die sich dunkel in ihnen regt. Die Alten stehen ihr ferner und können schon auf die Osterbrennerei schelten. Aber wie das junge Tier dem Urtier ähnlicher ist als das ausgewachsene, entwickelte, so steht auch das Kind dem früheren Menschen näher als der Mann: es horcht auf Stimmen, die in uns längst verklungen sind. Ihr Eltern und Lehrer, habt Ihr das bedacht? Nein? So bedenkt es jetzt und seht mit Ehrfurcht auf das Kind — straft es nicht um seine Osterflammen!

„Johannisfeuer bleibe unverwehrt!“