Nur auf eins freute er sich noch, auf den kleinen Klaus Störtebeker, der jeden Tag vorbeikam und seine Ostermoon ansteckte. Der brachte noch ein Lächeln in das ernste, verschlossene Gesicht und er half ihm in Gedanken bei seinem Osterfeuer ... hol man noch fix Feek her, Klaus, hürst? ... Kiek, hier! Dat schall fluckern un räukern! ... Hol du ok mol wat, Harm! ... Jo, hier is en ganzen Arm vull! ... Smiet man up! ... U, wat fluckert dat, wat sleit de Flamm hoch! ... Dat is doch en feine Ostermoon, ne, Harm? ... Jo, dat is en scheune Ostermoon, Klaus Störtebeker! ...
„Säst du wat, mien Jung?“ fragte die Mutter besorgt, die ihn sprechen gehört hatte und von unten gekommen war.
„Rop den lütjen Klaus Störtebeker doch mol rup, Mudder, ik much giern mol mit em snacken,“ bat er.
Da kam Klaus Störtebeker die Treppe heraufgepoltert, wie er bei seinem Feuer gestanden hatte, geschwärzten Gesichts, und ließ sich ausfragen von dem todkranken Matrosen. Und berichtete von seiner Fischerei und seinen Kaninchen, von seinem Kahn und seiner Krähe, am meisten aber von seinem Vater und daß er den Sommer mit nach See wolle und solle. Dann aber fing er an zu fragen: nach den großen Schiffen und den Schwarzen, nach dem Fliegenden Holländer und nach Amerika. Ob Harm schon mal Menschenfresser gesehen hätte, wollte er wissen, und ob es wahr wäre, was Kap Horn ihm von der großen Leine erzählt hätte, unter der alle Schiffe hindurch müßten.
Harm Külper fand großes Gefallen an der Art des Jungen. Er schaute in dessen Augen wie in einen Spiegel hinein und sah seine Kindheit wieder, die er verloren hatte. Und er behielt Störtebeker lange bei sich, bis die Mutter ihn an das Ruhegebot des Arztes mahnen mußte. Da schenkte er ihm ein kleines, zierliches Vollschiff, das er in den Passaten, als die Segel wochenlang stehen bleiben konnten, geschnitzt und aufgetakelt hatte, und nahm ihm das Versprechen ab, den andern Tag und alle Tage wieder heraufzukommen.
„Dat brukt ne irst en Seemann to warrn: dat is all een,“ sagte er zu seinem Bruder. „Herrgott innen Heben, wat förn mooi Leben hett de nu noch vör sik — un mien is ut! Mien is ut! Ik bün beet!“ stöhnte er und kehrte das Gesicht gegen die graue Wand.
Da ging der Bruder hinaus, weil er es nicht mit anhören konnte, die Mutter aber setzte sich zu ihm und streichelte ihm die Backen, bis er ganz still lag. Dann sagte sie: „Harm, hür mol to: ik will mol mit di snacken.“
„Och, lot mi doch, Mudder!“
„Ne, ik mütt di dat seggen, Harm, dat steiht mi so vörn Harten, dat ik ne mihr slopen kann. Jan, dien Bruer, will ok no See, wenn he Ostern ut de Schol is! Snack du em dat ut, Harm! Ik hol dat ne ut un goh to Woter, wenn he ne an Land blifft!“
Der Kranke schloß die Augen und gab keine Antwort: da glaubte sie, daß er eingeschlafen sei, und schlich auf Socken hinaus. Er hatte aber nur keine Antwort geben wollen.