Da war nichts zu machen: er ließ sich nicht einmal nach Eierkohrs einladen, sondern sagte, wenn er durstig wäre, könne er sich noch selbst einen kaufen. Und er sog ruhig an den Gräten.
Der Ewer dümpelte auf und ab, hin und her, als wenn er in der Helgoländer Dünung klüse, denn das Wasser wurde durch die vielen Dampfer in beständiger Bewegung gehalten.
Gesa wurde düsig. Sie ging an Deck. „Du büst seekrank, Mudder, weest, wat dat is?“ rief Störtebeker hinter ihr her.
„Paß man up, di geiht dat nix beter,“ steckte Kap Horn es ihm, aber er lachte sicher und sagte: „Nix zu machen, Herr: ik bün seefast!“
„Wi spreekt uns to Sommer bi Hilchland wedder,“ warf Hein Mück dazwischen, aber Störtebeker erwehrte sich auch dieses Angreifers, indem er spottend rief: „Wees du doch man ganz still, Hein, du hest jo för dot inne Koi legen, ast weihn worden is!“
Sein Vater zog sich um und machte sich landfein. Dann ging er mit Gesa die Brücke hinan: sie wollten nach St. Pauli hinauf und mal in den Tingeltangel gucken, sagte er, und sie ging gern mit, weil sie das ewige Dümpeln des Fahrzeuges nicht mehr aushalten konnte. Störtebeker mußte an Bord bleiben, was er auch gern tat, denn aus solcher Musiktüdelei machte er sich nichts, er blieb am Deich nicht einmal bei den Nudelkastenmännern stehen.
Zudem gab es Arbeit. Knecht und Junge gingen dabei und ketscherten den Bünn durch. Alle toten Schollen und die schon fleckig gewordenen wurden herausgesucht. Störtebeker mußte sie vorn aufs Deck legen, damit sie sich besser hielten. Als das Deck voll war, breiteten sie den großen Klüver darüber, damit ihnen nichts gestohlen werden sollte.
Hein Mück fand auf den andern Ewern gute Gesellschaft und warf sich zum Wohltäter auf, weil er so lange auf der Weser gewesen war und einen schönen Schilling in der Knipptasche hatte. Sie petteten sich nach der Hafenstraße hinauf und genehmigten bei Martin Barghusen, dem Schlafbaas, einige deftige Eisbrecher.
Kap Horn aber saß mit Störtebeker auf der Kapp und wies ihm die Rahen der großen Segelschiffe, die bei Blohm und Voß dockten, und nannte alle Segel und Taue mit Namen, er erzählte ihm von der großen Fahrt und von dem schweren Wetter bei Kap Horn. Der Junge hörte nipp zu, wie er dem todkranken Matrosen zugehört hatte. Wenn der Knecht aber an gefährlichen Stellen beiläufig hinzufügte: „Dor harrst doch bang bi worden, nich, Störtebeker?“ — dann sagte der Junge jedesmal ernsthaft: „Ne, bang harrk ne worden!“
So saßen sie in der Dämmerung und sahen die Lichter auf dem Wasser schießen. Dem alten Janmaat kam der kleine Junge in den Sinn, den sie auf der dänischen Bark an Bord gehabt hatten und mit dem er sich auch viel abgegeben hatte, mehr beinahe, als seinem Vater, dem Kapitän, lieb gewesen war, denn der Junge war mehr vor dem Mast gewesen als auf dem Achterdeck. Den kleinen Janmaaten hatten sie ihn geheißen. Das war ein stiller Junge gewesen, dieser Störtebeker war ein wilder Ungestüm: jener war auf der Höhe von Rio gestorben und nach Seemannsbrauch bestattet worden — er selbst hatte ihn in Segeltuch eingenäht —: dieser lebte und drängte mit allen Kräften nach der See, als wenn er an Land nicht leben könne.