Als es ganz dunkel geworden war, ging er mit dem Jungen in die Kajüte und nahm ihn mit in seine Koje. Und bei dem Wiegen des Ewers und dem Glucken des Wassers schliefen beide bald ein, der alte Janmaat und der seesüchtige Junge.
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Am andern Morgen war ein großes Trampeln und Scharren über Störtebeker, als er erwachte. Kein Mensch war mehr unten — er hatte richtig die Zeit verschlafen. Schnell zog er sich an und sauste an Deck.
Du liebe Zeit, was war da für ein Leben! Als wenn es Karkmeß wäre! Das ganze Deck stand voll von fremden Leuten: was für ein Gedränge auch doch, was für ein Lärm! Fischfrauen, Kökschen, Bürgerinnen, Arbeitsleute, Kinder mit Netzen und Körben, mit Handtaschen und Beuteln standen um den Bünn herum, fragten nach dem Preis, handelten und kauften schließlich. Der Knecht und der Junge standen im Raum vor dem Bünn und ketscherten die Schollen heraus. Klaus Mewes aber ragte wie ein Leuchtturm aus der Menschenbrandung, reichte die leeren Körbe hinunter, langte die vollen herauf und strich das Geld ein: eine Mark für sechzehn Schollen. Er war in bester Stimmung, denn der Handel ging flott, obgleich in der Nacht noch sechs Ewer dazugekommen waren: Hamburg war schollenhungrig.
„Goh man mol mit den Jungen no de Reeperbohn rup un bekiekt jo de Lodens man mol,“ sagte er zu Gesa, die beim Kompaßhäuschen stand und mit fremden Augen auf die vielen Stadtmenschen guckte, verwundert über ihn, der damit umzuspringen wußte, als sei er als Handelsmann geboren. Sie schüttelte aber den Kopf und blieb, wo sie war. Und Störtebeker? Ja, wo war Störtebeker? War er schon allein nach der Reeperbahn gelaufen, um sich den Kasper anzusehen?
Nein! Er stand mit aufgekrempelten Armen zwischen Kap Horn und Hein Mück und hielt die Beutel und Netze auf, damit sie die Schollen besser hineintun konnten, er warf die toten Fische beiseite und reichte die vollen Netze seinem Vater hinauf. „För twee Mark, Vadder!“ ... „Förn Mark!“ ... „För föftein Groschen, Vadder!“ ... So rief er dabei, mit einer Stimme, aus der deutlich herauszuhören war: nun paß auf, daß alle bezahlen!
„Süßtein förn Mark! Süßtein grote Schullen! All springenlebennig! Süßtein förn Mark!“ rief Klaus Mewes oben und „Süßtein förn Mark! Süßtein grote Schullen! All springenlebennig! Süßtein förn Mark!“ echote Störtebeker unten. Klaus Mewes brauchte es wahrlich nicht wie die andern Ewer zu machen und sich einen Fischmarktlöwen als Ausrufer anzunehmen. Mitunter bekam der Junge auch Streit mit den Kökschen ... „Leben dot de all! Dor sünd keen dode twüschen! ... Luter grote gifft ne, dat geiht vörre Hand weg! ... Ne, dat sünd süßtein, ik hebb mi ne vertillt! ...“ An Kaffeetrinken dachte er nicht, er mußte ja helfen.
„De sünd jo dot, Junge!“ „Wenn du man ne dot büst: de leeft!“ „De sünd jo so lütj, Junge!“ „Wenn du man ne lütj büst: de sünd grot!“ Er ließ sich nicht verblüffen. „Soßtein forn Mark? Oppen annern Ewer gifft achttein!“ „Denn goh dor man hin: hier gifft dat bloß süßtein!“ Er paßte aber auch auf: „Vadder, de Olsch hett noch ne betohlt!“
Da sollte der Schollenhandel wohl in Flor kommen, bei einem so guten Hilfsmann! „Vadder, dat middelste Schott is all leddig!“
Die Mutter sah besorgt auf seinen neuen Anzug: „Wat mokt he sik ok doch utsehn!“ Aber Klaus Mewes lachte sie aus und sagte: „Worüm hest du em dat nee Tüch antohn? Harrst em jo man inne Ingelschleddern mitloten kunnt! Süßtein förn Mark! Süßtein grote Schullen!“