Gegen zehn Uhr waren sie schon so weit, daß sie die Luken zumachen konnten: die paar Stiege, die noch im Bünn saßen, brauchte Klaus Mewes selbst. Ausverkauft!

Knecht und Junge spülten das Deck ab, das aussah, wie ein Stück vom Deich bei Regenwetter: Klaus Mewes aber ging mit Frau und Kind in die Kajüte und entleerte seine dicken Taschen. Ein Haufe von Groschen, Marken und Talern bedeckte den Tisch: als er abgezählt war, waren es nahe an dreihundert Mark, die er in acht Tagen aus der See geholt hatte. Es war wieder Glück dabei gewesen, daß er einen guten Markt getroffen hatte.

Dreihundert Mark in acht Tagen! Das kam den Bauern so groß vor, daß sie immer nur von den großen Seefischern sprachen und auf sie schalten, denn hatten sie einmal einen ordentlichen Knecht, so lief er ihnen weg und wurde Fischer. Dreihundert Mark in acht Tagen: wie kam das den Tagelöhnern vor, die den ganzen Tag für sechs Groschen wie Pferde arbeiten mußten: wenn sie nicht zu alt für die Fahrt gewesen wären, sie hätten es wohl auch noch mit der Fischerei versucht!

Wir wollen der Schollenzeit ihr Leuchten nicht trüben: sie ist und bleibt die beste, schönste Zeit für den Fischermann. Wie sie Taler haben mit der Aufschrift: Segen des Mansfelder Bergbaues, so könnte die hamburgische Münze für Finkenwärder Taler prägen mit der Aufschrift: Segen des Schollenfanges. Wenn auch die Seefischerfrauen sagen, daß so viel davon abginge: die Kasse, die Kurren, die Leute, die Segel, die Zinsen, der Winter — wir wollen sie dennoch preisen, die schöne, schöne Schollenzeit!

* *
*

Nachmittag rollte die Kette wieder vor dem Neß durch die Klüsen. „Dol de Seils!“ Als sie zusammengebunden waren, ging es mit Boot und Kahn an Land, mit Schollen und Scharben, mit Taschen und Seesternen. Gesa mußte die Taschen kochen, Hein Mück hängte die Scharben auf, daß die Leinen den Deich wie Girlanden überzogen. Klaus Störtebeker mußte die Schollen austragen, die sein Vater in fürstlicher Weise verteilte: von der ersten Reise bekam alle Freundschaft, Verwandtschaft und Nachbarschaft lebendige Schollen. „De keen Fisch utgeben mag, is ne wirt, wat he welk wedder fangt,“ hieß es am Deich. Die Bauern auf den Wurten, die Handwerker, die Tagelöhner: keiner wurde vergessen. Sogar an die alte Sill dachte er. Störtebeker lief gern mit den Schollen, es machte ihm Freude, wenn die Leute fragten: „Non, Junge, is dien Vadder her?“ „Jo!“ „Mit Schullen?“ „Jo!“ Dabei bekam er hier einen Groschen und da zwei, der Bäcker gab ihm einen Kringel und der Krämer einen Kakerlatje aus Zucker, Bauer Feldmann goß ihm den Eimer voll Milch, Sill aber wühlte wieder ins Stroh hinein und holte richtig noch einen schönen Apfel hervor. Er verzehrte ihn jedoch wohlweislich unterwegs, damit er ihn nicht erst wieder aus der Erde zu graben brauche und im Graben abwaschen müsse. Es war ein fetter Tag für ihn.

In der Schummerei aber saß er mit seinen Mackern auf dem Deich und ging mit dem Hammer auf die gekochten Taschen los, deren Scheren so fest waren, daß sie anders nicht geöffnet werden konnten. Des Vollmondes wegen saßen sie voll Fleisch und schmeckten vorzüglich. Im Binnendeich schlichen die Katzen mit erhobenen Schwänzen heran und knurrten einander wegen der Abfälle an.

Gesa stand in der Tür: Klaus Mewes saß unter den Linden auf der Bank und verklarte dem alten Jäger, der am Staket lehnte, die Schollenfischerei bei Juist und Borkum, während die Nacht anbrach und die Lichter im Fahrwasser aufleuchteten und die Masten des Ewers gewaltiger und schwerer in den Heben hineinwuchsen.

Vom äußern Neß kam ein Aalfischer, der alte Jakob Derner, mit seinen Aalkörben beladen.

„Non, könt hier utholen?“