Vater und Sohn verließen die Werft und gingen weiter.
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Abends saßen sie alle in der Dönß und warteten auf die Ostereier. Hein Mück sagte, er wolle ganz gewiß zehn essen, und Kap Horn erzählte, er habe schon den ganzen Tag nichts mehr gegessen und rechne auf drei- oder vierundzwanzig, so hungrig sei er. Da trat Gesa mit der großen Schüssel an, die gehäuft voll von den schönen weißen Eiern war, und das Ostereieressen begann, das lustige Wettessen, bei dem der gewonnen hatte, der die meisten Eier aß. Mit glänzenden Augen löffelte Störtebeker ein Ei nach dem andern aus. „Wedder een, Vadder! De smeckt as Sucker!“
„Söben,“ rief sein Vater.
„Kann ne angohn,“ sagte Störtebeker aufgebracht, „du kannst heuchstens dree Eier up hebben.“ Er zählte die Schalen: „Een, twee, dree, Vadder!“
Kap Horn beschäftigte von da an die Augen des Jungen bald auf dem Deich und bald bei den Bildern an der Wand und schob ihm, ohne daß er’s merkte, die leeren Schalen hin, wie der brütenden Henne Enteneier untergeschmuggelt werden. Die drei Fahrensleute rissen ein ordentliches Loch in den Eierhügel, aber schließlich mußten sie doch back brassen und sich für beet erklären. Da bekleidete Störtebeker sich mit der Würde eines Preisrichters und zählte die Eierschalen, die jeder vor sich liegen hatte. Bei seinem Vater waren es fünf. „U, wat wenig, Vadder! Du säst söben! Dat harr ik ne van di dacht!“ „Ik much ne tolangen, Störtebeker,“ entschuldigte sein Vater sich, „ik dach, anners wörst du ne satt!“ Bei der Mutter kam Störtebeker zu dem niederschmetternden Ergebnis: „Twee! Mudder, dat et de lütjen Kinner ok all meist. Du müß gewiß de Pann wegdrägen!“ Hein Mück, der sechs Eier gegessen hatte, kam glimpflich davon, aber über Kap Horn, der nur ein Häufchen gänzlich zusammengedrückter Schalen hatte, goß er die volle Schale seines Spottes aus. Dann ging er an den eigenen Berg und steckte die Schalen zusammen. „Mit de poor Dinger is ok doch keen Stoot to moken,“ stichelte Kap Horn.
„Van wegen poor Dinger,“ ereiferte der Junge sich und zählte sie in Gedanken schnell noch einmal durch, um sicher zu sein, daß er sich nicht verzählt hatte, „kiek hier: dree, süß, söben, acht, negen. Negen Eier! Ik harr sülben ne dacht, wat soveel würen, ober kannst jo sehn!“
„Wohrraftig negen,“ rief Klaus Mewes, der sich kaum des Lachens erwehren konnte, „wat kannt angohn, wat en swarte Koh witte Melk gifft un wat de Jung mihr Eier eten kann as wi groten Lüd?“
Kap Horn lachte: „Jo, he is de Boos un sall noher hochleben loten warrn.“
Störtebeker aber sagte: „Junge, Junge!“ und knöpfte die Hose auf, um sich Luft zu schaffen, denn die vermeintlich gegessenen neun Eier lagen ihm nun doch mit einem Male schwer im Magen. „Vadder, nu komm ik ok doch mit no See?“