„U, ik bün jo so bang, Klaus!“
„Denn kannst du ne no See hin! Ik bün keen betjen bang! Smiet doch bloß mit ut, du Knappen!“
Er hatte das Gesicht voll von Wasser- und Schweißtropfen, aber er warf unverdrossen aus. „Mol schuben, Harm!“ Sie stemmten sich, auf dem Dollbaum stehend, mit aller Macht gegen die Riemen, und wirklich rührte das Fahrzeug sich jetzt. „Huroh, wi hebbt em,“ rief Störtebeker, „noch en lütj betjen, denn geiht de Reis los!“ Er schaufelte emsig, denn die Reeling lag jetzt mit dem Wasser gleich und mitunter spritzte schon eine kleine See in den Kahn. Vielleicht wäre es Störtebeker in seinem Eifer doch gelungen, ihn im allerletzten Augenblick zu retten, aber da kam die hohe, mächtige Dünung eines großen, schwarzen Amerikadampfers, der schon bei Teufelsbrücke qualmte, den Störtebeker bei seiner dringlichen Arbeit aber nicht gesehen hatte, in starken Wellen über den Nienstedter Fall gelaufen, fegte über den Bordrand und füllte den Kahn mit Wasser, wischte den Sand glatt und brachte das Euschfatt zum Treiben. Da war nichts mehr zu machen, obschon Störtebeker das Euschfatt ergriff, um das Wasser auszugießen: es war zu spät.
„Wi versupt, wi versupt!“
Sie standen schon bis an die Enkel im Wasser, auf den Duchten. Störtebeker meinte freilich, das wäre spaßig, so auf dem Wasser zu stehen. Er tröstete Harm und sagte, er solle nicht bange sein; bis das Wasser ihnen an die Knie ginge, wären die Jollen dreimal da und könnten sie holen; schade wäre es nur um den schönen Sand. Er guckte aber doch mit Besorgnis umher, ob nicht vom Deich ein Boot käme, denn der Wind war still geblieben und die Segel kamen nur langsam näher. Als das Wasser ihnen bis über die Knie reichte, band er die Riemen an die Fangelleine und hieß Harm sich daran festhalten, damit der starke Strom ihn nicht umrisse.
Es war eine böse Lage. Nun begann auch Störtebeker laut zu rufen, nachdem er versichert hatte, daß er nicht bange sei. Aber sie konnten wohl am Deich vor den Eschen und Pappeln nicht gesehen und wegen der weiten Entfernung nicht gehört werden, denn kein Boot ließ sich sehen. Immer höher stieg das Wasser, es reichte ihnen schon an die Hüften. Störtebeker tröstete seinen frierenden Macker, er solle sich an ihm festhalten, damit er nicht über Bord komme. Dann sagte er ihm, sie wollten warten, bis das Wasser ihnen bis unter die Arme gehe: wenn dann noch keine Rettung gekommen sei, wollten sie die Leine losmachen und sich mit den Riemen treiben lassen. „De drägt uns as en Beesenbült,“ sagte er zuversichtlich.
„Wat is dat Woter kold, wat früst mi! Hilpt uns, hilpt uns, hilpt uns!“
Störtebeker stützte ihn und hielt tapfer aus, denn die ersten Boote kamen heran und konnten sie am Ende schon sehen. Mehr als an den Riemen klammerte er sich an den Gedanken: ne bang warrn, anners kummst du ne mit no See! Er begann zu winken! Da antwortete das erste Boot: der Fischer hob die Hand und steckte schnell die Riemen aus, um durch Rudern schnellere Fahrt zu machen.
„Nu hol di fast,“ sagte Störtebeker.
Bis an die Brust standen die beiden Gesellen im Wasser, als das Boot sie erreichte und Jan Fock sien Jung, Peter Husteen, sie über den Setzbord zog.