„Büst ok all bang, Störtebeker?“ fragte Klaus Mewes, schon halb im Traum, aber der Junge antwortete nicht mehr: er schlief schon.
Bald wachte nur noch die niedrig geschrobene Lampe in der Kajüte.
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Mitternacht war vorüber, als der Wecker surrend ablief. Da rief Klaus Mewes: „Seilen!“ und schwang sich aus der Koje, um die Seestiefel anzuziehen. Knecht und Junge entstiegen den seitlichen Kojen und suchten mit kleinen Augen nach ihren Sachen. Störtebeker sollte liegen bleiben wie Seemann, der sich auf der Bank nur umgedreht hatte, aber er stand doch mit auf und half beim Anstecken der Seitenlaternen, er zog die Fock mit auf und drückte beim Hieven des Draggens mit auf die Spaken, denn es war kalt und ihn fror wie einen Schneiderlehrling. Das Großsegel stieg auf, die Besan folgte, dann der große Klüver. Auch auf den andern Fahrzeugen regte es sich, überall erglommen die bunten Lichter, erscholl der Lärm der Winschen; das Rufen der Fahrensleute wehte mit dem Winde herüber, die Gaffeln knarrten und die Schoten hauten.
Der Wind war südlich gelaufen, sodaß sie dalsegeln konnten, schier dolseilen, und nicht mehr zu kreuzen brauchten. Die Segel fielen voll und der Ewer, ein großer, schwarzer Walfisch in der Nacht, schwamm nach dem Fahrwasser zurück.
Kap Horn ging ans Ruder und übernahm die Wache. Er hatte sich ein dickes wollenes Tuch um den Hals gebunden und sah aus, als wenn er es im Halse hätte. Störtebeker guckte eine Zeitlang auf den hellbeleuchteten Kompaß und fragte, ob er auch in der Nacht richtig hielte, er ermahnte den alten Knecht, keine Haverei zu machen, und ging mit seinem Vater wieder zu Koje. Er zog aber die Decke bis an die Nase und schmiegte sich dicht an ihn, denn er zitterte vor Kälte.
Als er am andern Morgen mit seiner Kaffeemuck und seinem Knöbel Roggenbrot aus der Kapp kam, um seinen Vater auszuschelten, daß er aufgestanden war, ohne ihn zu rufen, und um zu sehen, wie weit sie schon gekommen wären: da schäumte der Ewer mächtig durch bewegtes graugrünes, schmutziges Wasser und lief, was er konnte. „Vadder, neem sünd wi all?“ „To Freeborg, Störtebeker,“ rief Klaus Mewes und wies ihm den Turm von Freiburg an der Elbe.
„Neem is de See denn?“
„Dor achter! Wi kommt dor vundog noch hin! Sultwoter hebbt wi all fot!“
„Ne, dat gläuf ik ne,“ rief Störtebeker, aber Hein Mück sprang wie ein Luchs auf, schalt ihn einen Dummbart, schlug eine Pütze voll Wasser auf und hieß ihn kosten. Störtebeker steckte den Finger hinein: das Wasser war wirklich salzig und bitter. Er schmeckte noch einmal, aber der Geschmack änderte sich nicht. Wie das angehen könne, rief er kopfschüttelnd aus, das könne er nicht begreifen! Daß Fische darin leben könnten, wollte ihm noch weniger in den Kopf. Nun wurde die Fahrt noch geheimnisvoller für ihn.