Der Wind wurde nach und nach so stark, daß Klüver und Toppsegel weggenommen werden mußten. Der Ewer lag sehr schief, die Segel standen bukt voll Wind und die groben Seen spritzten schon einmal über Deck, wenn der Ewer tauchte. Am Heben standen „Ziegenhaare“, zerzauste Wolkenbüschel, die auf stürmische Witterung deuteten.
Solche Fahrt war Klür für den Ewer und erst recht für Klaus Mewes, der vergnügt steuerte und sang! Ein Vers aus der Dänenzeit war es, den er beim Wickel hatte, vererbt vom Großvater her:
„Kridderwidderwitt, den dänschen Keunig,
kridderwidderwitt, den deen ik ne!
Den sien Lohn is mi to wenig,
Pillkantüffeln mag ik ne!“
Störtebeker, der das Lied kannte, stimmte mit ein und versang die Bangigkeit, die ihn ankommen wollte. Sein Vater war ja bei ihm: was sollte ihm da die See tun können?
Scheelenkuhlen und die Bösch passierten sie gegen Mittag schon, so rasch zog der Laertes davon. Bei Brunsbüttel füllte Hein Mück das Essen aus und übernahm das Ruder, während die andern sich die Klütjen und Plummen schmecken ließen. Als sie wieder an Deck kamen, waren sie soweit, daß Klaus Mewes seinem Jungen die See zeigen konnte, denn im Norden trat das Ufer zurück, dort blinkte die See, die See, nach der er sich am Deich gesehnt hatte, der kleine Störtebeker, als wenn sein Leben damit vermacht wäre.
Nun stand er bei seinem Vater hinter dem Kompaß und sagte: ja, er könne sie sehen, aber weiter sagte er nichts, denn eigentlich war es eine große Enttäuschung für ihn, dies erste Schauen; er hatte auf der Zunge, zu sagen: „Dat is ok jo wieder nix as Woter!“ — aber er verbiß es, denn er dachte: Erst ganz hin sein!
„Vadder, neem fischt wi nu?“