„Och, mien Jung, dat is noch wiet weg! Ganz buten, kannst nu noch gorne sehn!“

Das war Störtebeker recht, denn es mußte auch noch anders kommen, wenn es mehr sein sollte als die Elbe.

Es gab noch die Schanze zu sehen mit den schwarzen Kanonenschlünden, die die Elbe bewachten, das Ostefeuerschiff, das an seinen Ketten riß, die Türme von Altenbruch; dann kam Cuxhaven in Sicht, der dicke Leuchtturm, die Kugelbake. Da sah Störtebeker zum ersten Mal ein großes Schiff, eine Bark, unter Rahsegeln. Sein Vater wies ihm den alten und den neuen Hafen, die großen Seeschlepper, die mächtigen Anker, die am Deich standen, das Schloß Ritzebüttel, das klug und geborgen aus den Bäumen guckte, er zeigte ihm einen Seehund, der hinter dem Ewer auftauchte, und drei Masten, die im Norden kahl und verlassen aus der See guckten.

Störtebeker wurde doch stiller, als er das Land kleiner und die See größer werden sah, als er wahrnahm, daß der Ewer ungestümer auf und ab tauchte und sich schräger als vorher warf, aber er hielt tapfer aus und ließ sich nichts merken.

Es gab kein Halten mehr für den großen Ewer: mit dem flagigen, starken Südwestwind in den Segeln brauste er mächtig einher und schnitt eine breite, schaumige Furche wie ein rechter Pflüger. Noch trug er die Segel ohne Reffe, aber die Luft schmierte zu, dunkle Wolken beschatteten die See und auf den Watten räucherte die Brandung. Mit breiten, langen Kämmen kam die Flut ihnen entgegen, aber diesmal wurde der Ewer Baas über sie, denn er hatte Wind, und ließ sich von ihr nicht mehr aufhalten. Sie segelten an der Kugelbake vorbei, der großen Frau der Elbmündung, die immerfort nach ihrem Mann sucht, der doch längst geblieben ist, — und nahmen den Kurs nach dem vierten Feuerschiff, N. z. W.

Bald verlangte den Südwest nach Südwestern; er brachte Regen und jagte die Seefischer ins Ölzeug. Auch Störtebeker mußte hinein. Als sein Vater ihm den Rock zuknöpfte, sah er ihn forschend an und bemerkte, daß das Gesicht schon etwas blasser geworden war: er tat aber, als hätte er nichts bemerkt. Dem Knecht und dem Jungen hatte er untersagt, mit der Seekrankheit zu drohen und Störtebeker bange zu machen: so dachte er ihn am ersten davor zu bewahren.

Heiter wies er ihm den dicken Turm von Neuwerk und erzählte, daß Störtebeker von dort einen Gang unterm Wasser bis nach Cuxhaven gehabt hätte.

Hinter Scharhörn sichteten sie die ersten fischenden Fischerewer: da vergaß der Junge das fremde Gefühl und wurde lebhafter, er holte sich den Kieker aus dem Nachthaus und betrachtete Ewer für Ewer: er las die Nummern und ließ sich die Schiffer dazu sagen.

„94, Vadder?“ „Jakob Fock, dat weest du doch!“ „138?“ „Jakob Mees.“ „3?“ „Friedrichson van de Au, de Störnfischer.“ „107?“ „Ornd Fock!“ Er lernte erkennen, wann einer einzog: dann fiel die Fock nieder und die Möwen flogen um die Masten, wann er kurrte, wann er segelte, wann er aussetzte. Von da an kümmerte er sich nicht viel mehr um Gallioten und Feuerschiffe, Lotsenschoner und Frachtdampfer, sondern nahm sich der Fischerei an. Er drängte, daß sie doch auch schon aussetzten, und war gar nicht erbaut, als er hörte, daß sie noch einen ganzen Tag zu segeln hätten.

Wenn ein Ewer nahe kam, rief sein Vater den Schiffer an und fragte nach dem Fang, der Schiffer aber fragte nach dem Markt. Das war immer ein nachbarliches Gespräch wie am Deich und schloß mit einem Gedankenaustausch über das Wetter.