Die See wurde düniger und der Ewer tauchte tiefer. Bei der Lotsengalliot nahm eine hohe See den Ewer auf den Rücken und warf ihn dwars weg, daß Störtebeker das Gleichgewicht verlor und gegen das Boot flog. Er stand ruhig wieder auf und hielt sich am Dollbaum fest, aber die Düsigkeit im Kopf nahm immer mehr zu und den schlechten Geschmack im Munde wurde er nicht wieder los: er fühlte, daß seine Stunde kam, daß er seekrank wurde und sich brechen mußte. Er wollte es nicht, er wollte es nicht! Nur das nicht, nur das nicht!

Er wollte seefest sein! Wie sie wohl lauerten, Kap Horn und Hein Mück, daß sie ihn auslachen konnten! Nein, er wollte es nicht! Fest biß er die Zähne zusammen und hielt den Mund zu. Er beneidete Seemann, der ruhig und behaglich auf den Handschuhen im Nachthaus lag und sorglos seine Pfoten ableckte, während er es kaum noch aushalten konnte.

Wie eine Möwe schluckt und würgt, wenn sie einen großen Hering in der Kehle stecken hat, so schluckte und würgte Störtebeker auf dem heftig dümpelnden Fahrzeuge und wehrte sich gegen die Seekrankheit.

Kap Horn sagte beiläufig zu Hein Mück: wer hier schon seekrank würde, sei ein Schietinnebüx, denn sie seien ja noch in der Elbe, die See finge erst beim ersten Feuerschiff an! Störtebeker hörte es und wehrte sich noch mehr, denn er wollte doch nicht auf der Elbe schon seekrank werden. Sie lachten ihn aus, das war gewiß! Wenn er doch mit seinem Vater allein auf Deck wäre!

Da hatte also all das Dümpeln in seinem Kahn, all das Scheistern nichts geholfen! Junge, Junge, Junge, was für ein Zustand! Er wollte und wollte sich aber vor dem äußersten Feuerschiff, vor der richtigen See, nicht geben!

Als sie daran vorbeigeschäumt waren, konnte Klaus Mewes seinen Jungen mit einem Male nicht mehr sehen und dachte schon, er wäre über Bord gefallen, aber da nahm Kap Horn das Ruder und wies nach dem Boot. Der Seefischer ging nach vorn — da lag Störtebeker im Boot zusammengekrümmt unter den Duchten und erbrach heftig. Hein Mück steckte einen Grientje auf und wollte etwas sagen, aber Klaus Mewes sah ihn an, daß er ihn schnell wieder sacken ließ. Seinen Jungen ließ er gewähren — schließlich, als das Spucken nachließ, legte er ihm die Hand auf die Schulter. Der Junge fuhr zusammen und sah auf — kreidebleich im Gesicht! — Dann lächelte er unter Tränen und sagte: „Nu lach mi man fix wat ut, Vadder, wat ik seekrank bün!“ Urch — da ging es wieder los: Klaus Mewes, Dollbaum, Luken und der neugierig herbeigekommene Seemann bekamen etwas ab. Da lachte Klaus Mewes doch und Kap Horn lachte am Ruder und sagte, das wäre gerade so wie bei einem Albatros, der auf Deck sei, und Hein Mück lachte, weil sie ihn die ersten Reisen auch ausgelacht hatten. Störtebeker lachte auch mit, wenn auch verzerrten Gesichts, dann aber mußte er sich geben. „Gliek ist all rut,“ tröstete er, „denn wardt beter!“ Aber das stimmte nicht, denn es wurde immer ärger, je leerer der Magen wurde, zuletzt spuckte er die Galle aus und lag dann regungslos auf der Ducht.

„Bang bün ik ober ne, Vadder,“ sagte er matt, „bloß seekrank!“

„Schall ik di wedder an Land setten?“

Störtebeker schüttelte den Kopf. Auch unter Deck wollte er nicht, denn er sagte, es ginge bald vorüber. Da deckte sein Vater ihn mit einem alten Segel zu und ließ ihn im Boot liegen, weil die Seeluft besser war als die Luft in der Koje.

Als Klaus Mewes wieder am Ruder stand, dachte er an seine erste Reise und an seine Seekrankheit: er war auch nicht frei geblieben. Noch jetzt wurde er etwas seekrank, wenn er nach dem winterlichen Aufliegen wieder nach See kam — wie viele alte Fahrensleute.