Der Wind krempte nach Westen um und nahm an Stärke zu. Es wurde stur.
Einzelne Ewer und Kutter fischten noch mit einem Reff im Segel, die meisten aber hatten das Kurren aufgegeben und trieben. Die See hatte Mützen aufgesetzt. Klaus Mewes, der seine alte Stelle zwischen Norderney und Juist suchte, gab das Klabatzen und Kreuzen auf, weil er die Segel nicht zerreißen wollte. Er hielt auf Helgoland zu, dessen Feuer hell im Norden blinkte.
Bidewind! Der Ewer schoß und kletterte, stampfte und rollte, während die düstere Nacht hereinbrach. Viele Segel und Lichter waren bei ihnen und der dunkle Felsen stieg immer höher aus der See.
Als sie um Mitternacht zwischen dem kleinen Land und dem großen Land, d. h. zwischen der Düne und Helgoland zu Anker gingen, war der Wind nordwestlich gelaufen und zum Sturm angewachsen, so daß sie froh sein konnten, eine Reede zu haben. Sie setzten noch das zweite Anker aus, dann nahm Klaus Mewes den kleinen Seekranken auf den Arm und trug ihn nach unten — und weil er nichts essen wollte, packte er ihn gleich in die Koje.
Hein Mück wagte, nochmals zu lachen; dafür bekam er eine nasse Hansch in den Nacken. „Wi sünd ok mol seekrank worden,“ sagte Klaus Mewes, „dorüm kann he doch en fixen Fischermann warrn! Lot em man tofreeden.“
Die ganze Nacht aber riß der Ewer gewaltig an seinen Ketten und klüste wie nichts Gutes hinter Helgoland.
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In der Morgendämmerung legte der Wind sich etwas, aber die Luft sah noch nicht nach Aufklaren aus. Draußen stand eine hohe See, so daß an Fischen nicht zu denken war. Sie blieben deshalb noch liegen.
Als Störtebeker aufwachte und aus der Koje lugte, war die ganze Besatzung schon auf den Beinen: Hein Mück saß auf der Treppe und schälte Kartoffeln, Kap Horn war mit Segelhansch und Nadel bei dem Toppsegel auf der Diele zugange, dem er einen Flicken aufsetzte, Klaus Mewes knüttete an einem Kurrensteert. Auf dem aufgeklappten Tisch stand noch der Morgenkaffee.
„Vadder, neem sünd wi?“