Mit abgefierten Schoten segelten sie nach der Weser. Da bekam Störtebeker zum erstenmal das Wunder der Nordsee zu sehen, den zwei Jahre vorher errichteten Rotensand-Feuerturm, den mitten im Meere stehenden rotweißen Riesenpilz, dessen Feuer ihm schon manchmal gezeigt worden war. Kap Horn meinte, der würde wohl ebenso spurlos im Meere verschwinden wie sein Vorgänger, weil er auf Sand gebaut sei und nicht auf Felsen wie der Turm von Eddystone, aber Klaus Mewes sagte: einerlei, Bremen hätte da immer sein Meisterstück geschaffen. Störtebeker wunderte sich am meisten über das Rettungsboot, das dort haushoch über dem Wasser hing. Und daß dort oben zwei Leute wohnten und schliefen.

Sie kamen nachts in der Geeste an und verhökerten den andern Morgen ihre Schollen. Sie wurden sie auch zu gängigen Preisen los, denn sie waren nur zu fünfen, und das war für Bremerhaven und Geestemünde nicht zu viel, zumal Klaus Mewes, der hier an der Unterweser bekannt war, den Geestendorfer Ausrufer Konrad mobil machte, der mit seiner Glocke und mit seiner rostigen, durchdringenden Stimme die abgelegenen Straßen abklopfen mußte.

Sie nahmen etwas Proviant ein, vor allem Schiffskeks, nach dem Störtebeker ein großes Verlangen hatte, dann Büffelfleisch und Zucker aus dem Freilager, und gingen am Abend schon wieder hinaus. Der Neß bekam nur eine Postanweisung auf zweihundert Mark und einen kurzen Brief, den Klaus bei Kinau in der Achterdönß schrieb, während Störtebeker sich von Marta und Mieze, den Töchtern des Fischerwirtes, denen der kleine Fischerjunge sehr gefiel, im Billardspiel unterrichten ließ.

Der Junge sei gesund und munter, hieß es in dem Brief, den der Seefischer schrieb, er sei nur einen Tag seekrank gewesen, nun wisse er schon nichts mehr davon, er habe große Lust zu der Fischerei und sei immer vergnügt, Heimweh kenne er nicht. Er ließe schön grüßen. Heute abend gingen sie wieder hinaus und kämen bald mit Schollen nach der Elbe. Störtebeker ließe ihr noch sagen, sie solle die Krähe und die Kaninchen nicht vergessen.

Den Gruß und die Viehfrage hatte Klaus sich nach Wippchenart aus den Fingern gesogen, denn Störtebeker hatte jetzt ganz andre Dinge im Kopf. Er wollte Bremerhaven sehen, das große Denkmal und die Schinesen auf den weißen Lloyddampfern, aber dazu war diesmal keine Zeit: sie mußten an Bord und nach See.

Nach neun Tagen lagen sie wieder mit Schollen an der Kaje zu Geestemünde: da wehte es zwei Tage und da bekam Störtebeker alles zu sehen, was er sehen wollte.

Elfter Stremel.

Roland der Ries’ am Rathaus zu Bremen,

Kämpfer einst Karls in der Schlacht;

Roland der Ries’ am Rathaus zu Bremen,