Religiöse Erkenntnisse [82]
Religion was sie ist. Inspiration von Religion unabtrennbar – sie giebt den Philosophen interessierende Weltanschauungen. Religion eine praktische Angelegenheit, hat bestimmte theoretische Voraussetzungen. Diese sind nicht darum wahr, weil sie sich bewähren: a) Ausprobieren unmöglich, b) Wirkungen auch rein psychologisch bei falschen Voraussetzungen möglich. Religion nicht bloss Sache des Gefühls. Das intellektuelle Element der Religion, richtig verstanden, nicht bloss Voraussetzung der Religion sondern ihr Wesen, sofern dieses in ihrer Wahrheit besteht. Die Wahrheit an sich das höchste Gut. Darum Gott die Wahrheit. Für uns ist Sittlichkeit ein höheres Gut. Fides quaerens intellectum. Notitia, fiducia, assensus. Der Inspirierte kann davon eine Einsicht gewinnen, dass er eine Inspiration empfangen hat. Die Verkündigung der Inspiration als von Gott stammend – Offenbarung. Mittelbare äussere Einsicht in die Wahrheit der Offenbarung vermittelt durch die Einsicht, dass der Verkündende die Wahrheit weiss und sagen will. Massgebend und entscheidend hierfür die sittliche und religiöse Beschaffenheit des Verkündigers. Äussere Einsicht vom religiösen Gesichtspunkte aus der inneren vorzuziehen.
Schluss [87]
Alle Wahrheit wegen ihrer ewigen Bedeutung – Metaphysik. Wer diese leugnet, muss auch die überzeitliche Geltung und damit die Allgemeingültigkeit der Wahrheit für alle Denkenden leugnen – er verfällt dem Skepticismus. a) Empiristischer, b) rationalistischer Wahrheitsbegriff. Beide setzen den metaphysischen Wahrheitsbegriff voraus. Nach jenem lässt sich nur entscheiden, was wahrscheinlich ist, nach diesem nur, was möglicherweise wahr ist. Jener ist nützlich für die Sicherung unserer Lebenszwecke, dieser für die Verwirklichung eines Erkenntnisideals. Ein Prüfstein der Wahrheit ist weder der eine noch der andere.
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