Tellheim Nun wohl! Wenn Ihnen die große Welt reizender ist, Minna—wohl! so behalte uns die große Welt!—Wie klein, wie armselig ist diese große Welt!—Sie kennen sie nur erst von ihrer Flitterseite. Aber gewiß, Minna, Sie werden—Es sei! Bis dahin, wohl! Es soll Ihren Vollkommenheiten nicht an Bewundrern fehlen, und meinem Glücke wird es nicht an Neidern gebrechen.

Fräulein
Nein, Tellheim, so ist es nicht gemeint! Ich weise Sie in die große
Welt, auf die Bahn der Ehre zurück, ohne Ihnen dahin folgen zu wollen.
—Dort braucht Tellheim eine unbescholtene Gattin! Ein sächsisches
verlaufenes Fräulein, das sich ihm an den Kopf geworfen—

Tellheim (auffahrend und wild um sich sehend). Wer darf so sprechen?—Ah, Minna, ich erschrecke vor mir selbst, wenn ich mir vorstelle, daß jemand anders dieses gesagt hätte als Sie. Meine Wut gegen ihn würde ohne Grenzen sein.

Fräulein Nun da! Das eben besorge ich. Sie würden nicht die geringste Spötterei über mich dulden, und doch würden Sie täglich die bittersten einzunehmen haben.—Kurz, hören Sie also, Tellheim, was ich fest beschlossen, wovon mich nichts in der Welt abbringen soll—

Tellheim Ehe Sie ausreden, Fräulein—ich beschwöre Sie, Minna!—überlegen Sie es noch einen Augenblick, daß Sie mir das Urteil über Leben und Tod sprechen!—

Fräulein Ohne weitere Überlegung!—So gewiß ich Ihnen den Ring zurückgegeben, mit welchem Sie mir ehemals Ihre Treue verpflichtet, so gewiß Sie diesen nämlichen Ring zurückgenommen: so gewiß soll die unglückliche Barnhelm die Gattin des glücklichern Tellheims nie werden!

Tellheim
Und hiermit brechen Sie den Stab, Fräulein?

Fräulein Gleichheit ist allein das feste Band der Liebe.—Die glückliche Barnhelm wünschte, nur für den glücklichen Tellheim zu leben. Auch die unglückliche Minna hätte sich endlich überreden lassen, das Unglück ihres Freundes durch sich, es sei zu vermehren oder zu lindern. —Er bemerkte es ja wohl, ehe dieser Brief ankam, der alle Gleichheit zwischen uns wieder aufhebt, wie sehr zum Schein ich mich nur noch weigerte.

Tellheim Ist das wahr, mein Fräulein?—Ich danke Ihnen, Minna, daß Sie den Stab noch nicht gebrochen.—Sie wollen nur den unglücklichen Tellheim? Er ist zu haben. (Kalt.) Ich empfinde eben, daß es mir unanständig ist, diese späte Gerechtigkeit anzunehmen, daß es besser sein wird, wenn ich das, was man durch einen so schimpflichen Verdacht entehrt hat, gar nicht wiederverlange.—Ja, ich will den Brief nicht bekommen haben. Das sei alles, was ich darauf antworte und tue! (Im Begriffe, ihn zu zerreißen.)

Fräulein (das ihm in die Hände greift). Was wollen Sie, Tellheim?