Nathan.
Was ich für Recha mitgebracht, das liegt
In einem andern Ballen. Mach! nimm weg!
Trag deine Siebensachen fort!

Daja. Versucher!
Nein, wären es die Kostbarkeiten auch
Der ganzen Welt! Nicht rühr an! wenn Ihr mir
Vorher nicht schwört, von dieser einzigen
Gelegenheit, dergleichen Euch der Himmel
Nicht zweimal schicken wird, Gebrauch zu machen.

Nathan.
Gebrauch? von was?—Gelegenheit? wozu?

Daja.
O stellt Euch nicht so fremd!—Mit kurzen Worten!
Der Tempelherr liebt Recha: gebt sie ihm,
So hat doch einmal Eure Sünde, die
Ich länger nicht verschweigen kann, ein Ende.
So kömmt das Mädchen wieder unter Christen;
Wird wieder, was sie ist; ist wieder, was
Sie ward: und Ihr, Ihr habt mit all dem Guten,
Was wir Euch nicht genug verdanken können,
Nicht Feuerkohlen bloß auf Euer Haupt
Gesammelt.

Nathan. Doch die alte Leier wieder?—
Mit einer neuen Saite nur bezogen,
Die, fürcht ich, weder stimmt noch hält.

Daja. Wieso?

Nathan.
Mir wär' der Tempelherr schon recht. Ihm gönnt'
Ich Recha mehr als einem in der Welt.
Allein… Nun, habe nur Geduld.

Daja. Geduld?
Geduld ist Eure alte Leier nun
Wohl nicht?

Nathan. Nur wenig Tage noch Geduld! …
Sieh doch!—Wer kömmt denn dort?
Ein Klosterbruder?
Geh, frag ihn was er will.

Daja. Was wird er wollen?