»Sonne und Mond werden verfinstert und die Sterne ihren Schein versagen;«
»Und der Herr wird aus Sion brüllen und aus Jerusalem seine Stimme schallen lassen, daß Himmel und Erde beben. Aber der Herr wird seinem Volke eine Zuflucht seyn, und eine Feste den Kindern Israel.« (III. 17-21).
Die Auslegung, welche diese Stelle und eine andere desselben Propheten bei den Juden fanden, mußte in den Jahrhunderten, wo die Religion in voller Frische Herz und Einbildung der Christen beschäftigte, auch bei diesen Glück machen. Übrigens ist des Thales Josaphat in keinem anderen Theile der Bibel gedacht.
Steigt man dies Thal von dem Bend aufwärts, so hat man zur Rechten den Berg der Verunreinigung und dann den Öhlberg; zur Linken den Sion und den Morija. Der erste trägt seinen Nahmen von der Abgötterei, die darauf getrieben wurde; »da erhöhte Salomo einen Altar Chamos, dem Gräuel der Moabiter, auf dem Berge, der vor Jerusalem liegt, und Molech, dem Gräuel der Ammoniter« (Könige, XI. 7.) Aber Josia reinigte den Gottesdienst; »auch die Tempel, die vor Jerusalem waren, zur Rechten am Berge Mashith, welche Salomo, der König Israels, gebaut hatte Asthoreth, dem Gräuel von Sidon, und Chamos, dem Gräuel von Moab, und Milkon, dem Gräuel der Kinder Ammon, verunreinigte der König; und zerbrach die Säulen und rottete aus die Haine und füllete ihre Stätte mit Menschenknochen« (II. Könige, XXIII.)
In der schmalen Schlucht zwischen dem Sion und Morija, zur Linken des Pfades, wo ein mächtiger Felsblock sich thürmet, findet man die Quelle Rogel. Sie fließt in ein schönes antikes Becken, und wird aus diesem durch in den Felsen gehauene Kanäle weitet geführt. Unter dem Becken ist ein nun unbenutztes Bend. Wohlthuendes Grün ziert diese Schlucht und ihren Ausgang ins Thal Josaphat, dessen Wände kahl und schon im April ausgebrannt erschienen, und kaum hie und da einen Öhlbaum nährten. Der Quelle Rogel erwähnt schon das Buch Josua (XVIII. 16) als eines der Punkte, welche die Gränze des Gebietes Benjamin bestimmten. Das zweite Buch Samuels zeigt uns Jonathan und Achimaaz an dieser Quelle stehend, »und eine Magd ging hin und sagte ihnen, was Absolom zum Angriffe gegen seinen Vater eingeleitet hatte.« (XVII.) Das erste Buch der Könige nennt auch den Felsen an der Quelle Rogel: »Und da Adonia Schafe und Rinder und gemästetes Vieh opferte an dem Felsen Soheleth, der neben der Quelle Rogel steht, lud er alle seine Brüder, des Königes Söhne und alle Männer Juda, des Königes Knechte; aber den Propheten Nathan und Benaja, und die Helden und Salomo, seinen Bruder, lud er nicht.« — (I. 9. 10.)
Wie geklebt an die Wand des Berges zur Rechten, der Quelle gegenüber, höchst malerisch zwischen Grabeingängen und Todtenmalen, liegt das Dorf Silo oder Siloa, das noch an 30 Häuser hat; nicht zu verwechseln mit Silo, der Wohnung des Herrn. (Psalm 78. 60.)
Zur Linken, unten am Kedron, fließt die mit dem Orte gleichbenannte Quelle Siloa, wie die frühere so auch diese in ein antikes Becken. Da eben türkische Frauen darin sich badeten, so stieg ich nicht in dieß Becken hinab. An der Quelle, die Nehemias das Becken Seloah nennt, war einst ein Garten der Könige. (III. 15.) Jesaias schreibt Siloha (VIII. 6); eben so Johannes, da er die Heilung des Blindgebornen erzählt, den Christus an dieser Stelle sich waschen hieß (9.)
Hoch schauen die Mauern der Stadt vom Berge Morija ins Thal des Kedron. Dessen Bette ist tief eingeschnitten, enge; dessen Ufer sind ohne Baum. Ich fand diesen vielbesungenen Gießbach, dessen die Bücher Samuels, der Könige und der Chroniken oft erwähnen, ohne Wasser. Er zieht zwischen Gräbern hin, denn der östliche Abfall des Morija ist mit türkischen, der westliche des Öhlberges und des Berges der Verunreinigung mit jüdischen Malen bedeckt. Seit ältester Zeit scheint dieser Raum Grabstätten gewidmet zu seyn. Drei Male ziehen vor Allen den Blick auf sich. Das erste wird das Grab Josaphats, das zweite das des Zacharias, das dritte das des Absolom genannt. Alle drei sind antik, gemischten römisch-morgenländischen Geschmacks und mächtiger Ausführung. Das Grab Josaphats ist ein aus dem Leben des Felsens gehauenes Tempelchen zu 21 Fuß ins Gevierte und etwa 30 Fuß hoch. Zwei Säulen und zwei Halbsäulen, die sich an Pfeiler schließen, jonischer Ordnung, schmücken jede Seite. Auf dem Gesimse läuft ringsum ein Aufsatz aus Akanthusblättern, etwa 3 Fuß hoch, der mich an das Fries des Portikus von Esne in Oberägypten erinnerte. Dann folgt als Schluß nach oben eine vierseitige Pyramide, etwa 12 Fuß hoch. Der Eingang ist verschüttet oder unter der dermaligen Oberfläche. Die Arbeit an diesem Male ist reich, aber nicht rein. Das ganze Tempelchen steht in einer aus dem Felsen gehauenen Nische, jetzt sorgsam mit Gräbern belegt.
Durch die nördliche Wand dieser Nische ist ein Gang in den Felsen gebrochen, der in das Grab des Zacharias führt. Dieses besteht aus einer Folge von Gemächern, unverziert und roh. Das Atrium ist von drei Säulen getragen. Alles aus dem Felsen gehauen.
Das Grab Absoloms, des Sohnes Davids, steht etwas höher und gleich demjenigen Josaphats in einer Felsnische. Es ist ein Tempelchen zu 24 Fuß ins Gevierte, dessen untere Hälfte, die Zelle, außen mit zwei ganzen und zwei halben Säulen, die sich an Eckpfeiler lehnen, auf jeder Seite geschmückt und aus dem Felsen gehauen ist. Der Architrav hat als Zierrath Triglyphen und dorische Rosen und Tropfen. Die Säulen aber sind jonischer Ordnung. Das Tempelchen ragt etwa 18 Fuß über den Boden bis zum Aufsatz über dem Architrave. Daraus ruht ein anderer Aufsatz aus zwei Vierecken, das obere schmäler, beide aus mächtigen Werkstücken und mit besonderem Fries geziert. Aus dem zweiten steigt als Zierde ein Spitzdach, das sich nach oben wie eine Blume aufschließt und wahrscheinlich mit Akanthus endete. Es gleicht dem obern Theile des Males des Lysikrates zu Athen. Was gebaut an diesem Male Absoloms ist, mag 20 Fuß Höhe haben. An der Hinterwand der Felsnische sieht man ein Tympanon, und darunter blickt ein verschütteter Eingang hervor. Auch das Grab Absoloms ist innen verschüttet, doch kann man zu oberst hineinkriechen. Was man da von den Wänden sieht, ist unverziert.