Es versteht sich, daß diese Male nicht aus der Zeit ihrer Namen seyn können. Josaphat ward im Grabe seiner Väter beigesetzt (Könige XXII. 51.); über Zacharias weiß ich nichts zu sagen; für ein besonderes Mal Absoloms spricht zwar entschieden folgende Stelle:
»Absolom aber hatte sich ein Mal aufgerichtet, da er noch lebte; das stehet im Königgrunde. Denn er sprach: ich habe keinen Sohn, darum soll dieß meines Namens Gedächtniß seyn; und hieß das Mal nach seinem Namen und heißt auch bis auf den heutigen Tag: Absoloms Stätte« (II. Sam. XVIII. 18.)
Diese Stelle erklärt, nach meiner Ansicht, wohl, warum man dem Male, das heut zu Tage das Grab Absoloms heißt, diesen Namen gab; nicht aber beweiset sie, daß der Name richtig gegeben wurde. Die Bauart spricht klar darüber ab.
Höher hinauf am Kedron, am Fuße des Öhlbergs, zeigt man den Garten Gethsemane, ein mit trockener Haltmauer umfangenes Grasplätzchen, in welchem acht uralte Öhlbaume stehen. Man glaubt, daß sie aus der Zeit Christi sind, was durch die Versicherung des Josephus, daß Titus während der Belagerung alle Bäume auf hundert Stadien in die Runde niederhauen ließ (Bell. Jud. VII. 15), zweifelhaft wird. Indessen im Jahre der Eroberung Jerusalems durch die Muselmänner bestanden diese Bäume schon, denn sie zahlen nur acht Medinen; zu einer Medine aber wurde damals jeder Öhlbaum besteuert. Der Nachwuchs seit der Eroberung zahlt die Hälfte der Ernte. — Diese Stelle, mit welchem Auge man sie ansehen mag, ist eine derjenigen, deren Geschichte unwiderstehlich die Seele mit Rührung durchdringet. Welcher Held auf der Bühne des öffentlichen Lebens hat nicht eine Stätte Gethsemane, wo unter der Last des Neides und Hasses der Feinde, unter den Leiden des Undanks, der Schwäche und des Leichtsinns der Freunde, wo unter den Vorgefühlen der schweren Opfer und Prüfungen, wozu jedes edle Streben der Menschen verdammet, seine Seele trauert und zagt, betrübt bis in den Tod, und sein Herz fleht, daß, so es möglich sey, die Stunde vorübergehe! In solchen Augenblicken überzählt man die Wenigen, die wahrhaft an Einem hängen, und spricht im Geiste zu ihnen: »Bleibet hier und wachet mit mir!« Aber ach, auch von diesen, wie gering ist die Zahl derer, die eine Stunde mit ihm wachen! »Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.« (Matth. 26.)
Die Stelle, wo Christus betete: »Vater, überhebe mich dieses Kelches! aber dein Wille geschehe, nicht der meine,« lag vom Garten auf Entfernung eines Steinwurfs. (Luk. 22.) Man weiset eine Grotte an Gethsemane als diese Stelle, und die Katholiken haben dieselbe zum Gottesdienste eingerichtet. Nahe daran ist auch die schöne, in eine Felsnische eingesenkte Kirche über dem Grabe der heil. Jungfrau, des heil. Joseph, der heil. Anna und des heil. Joachim. Man steigt über fünfzig Stufen in diese Kirche hinab, die nun ausschließend den Griechen gehört. Von allen Sekten hochverehrt, hatten auch alle eine Betstelle darin, und selbst die Türken ein frommes Plätzchen, an dem sie gerne der tiefen Andacht sich hingaben, mit welcher sie überhaupt Jerusalem betrachten. Ihnen ist sie die heilige Stadt, uns ein Mährchen von ehemals. Was aber bei uns die wirkliche Geschichte des Tages ist, das sagen die Worte des Evangelisten: »Und alsbald trat er zu Jesu und sprach: Gegrüßet seyst Du, und küssete ihn ...« (Matth. 26.)
Gethsemane und der Abhang des Morija war von einer unzähligen Menge türkischer Frauen und Mädchen besetzt. Auf allen Straßen kamen türkische Pilger unter Gesängen, lautem Gebet und vorgetragenen Fahnen und wurden von den Frauen mit dem Entgegenwerfen von Rosen und Palmzweigen empfangen. Gegen uns Christen hob manche schöne Hand einen Stein auf. Auch die Muselmänner haben zu unserer Osterzeit heilige Feste zu Jerusalem, und zwar durch acht volle Tage. Aus Ägypten, Arabien und Damaskus strömen sie nach der heiligen Stadt, wie wir aus den Ländern im Abend.
Bei Gethsemane führt eine Steinbrücke über den Kedron. Daran steht eine tiefe Cisterne. Steigt man nach der Stadt hinauf, so kömmt man an der Stelle vorüber, wo der heil. Stephan gesteiniget wurde (Apostelg. VII.), und dann nach dem Thore, das nach ihm heißt. Darauf sind vier Löwen eingehauen. Durch dasselbe gelangt, hat man zur Rechten ein Wasserbecken, 150 Fuß lang und 40 Fuß breit, mit aufgemauerten Wänden, ein Bau aus Byzantinerzeit, denke ich, nun als Garten benützt. Die Priester halten es für das Stagnum Salomonis, für die Piscina probatica oder des Becken Bethesda, dessen Wasser man zu den Zeiten Christi eine heilende Kraft zuschrieb. (Joh. V.).
Nicht ferne vom Thore St. Stephans weiset man das Haus des Pilatus, ein großes Gebäude neuerer Zeit über den Ruinen eines älteren. Dort beginnt die Via dolorosa, eine der Hauptstraßen der dermaligen Stadt, wo die Leidensstationen durch liegende Säulenschäfte, ursprünglich von der Kaiserin Helena gesetzt, angegeben sind. Dem Hause des Pilatus gegenüber ist das Gewölbe der Geißelung. Ruinen einer Kirche stehen an derjenigen Stelle, wo (nach Bonifazius und Anselmus) die heil. Jungfrau dem Sohne auf seinem letzten Wege begegnete und in Ohnmacht sank, hundert zwanzig Schritte vom Hause des Pilatus. Fünfzig Schritte weiter wendet die Straße aus West nach Süd. An dieser Ecke soll Simon von Kyrene das Kreuz übernommen haben. (Luk. XXIII. 26.) Nahe daran ist die Stelle, wo Christus sich wendete zu den nachfolgenden Frauen und ihnen zurief: »Weinet nicht über mich, ihr Töchter Jerusalems! weinet über euch und eure Kinder!« (Luk. XXIII. 28.) Gerade vor sich hat man das Haus des bösen Reichen, den die Juden Nabal nennen, und an dessen Schwelle Lazarus lag. (Luk. XVI.) Nach Kurzem wendet die Straße wieder nach Westen und hundert zwanzig Schritte von der ersten Wendung zeigt man das Haus der Veronika. Nach anderen hundert Schritten aber ist der Aufgang zum Golgatha, der jetzt durch eine Mühle führt. Von dieser Stelle ist diejenige der Kreuzigung noch zweihundert Schritte entlegen, also beträgt die ganze Länge der Via dolorosa fünfhundert und neunzig Schritte.