Die Nordseite der Ummauerung ist die eigentliche Angriffsseite. Sie bildet einen ausspringenden Winkel. Es zieht nämlich ein Theil derselben West, der andere Südwest 430 Schritte in der ersten Richtung, wovon zweihundert sanftaufsteigend, führen bis zum Pförtchen Herodes oder Ephraim, das durch den sechsten Thurm geht. Im Graben am dritten Thurm ist eine gedeckte Cisterne und ein Schöpfbrunnen daneben, dem ein Marmorsarg als Trog dient. Die Cisterne war, als ich sie sah, gefüllt.

Hinter dem Pförtchen senkt sich die Mauer durch 146 Schritte, und hebt sich dann wieder durch 170. Dort ruht sie auf Felsen, und nimmt dann die Richtung Südwest. Nach 180 Schritten trifft sie das Thor von Damaskus (Bab-el-Cham), auch das Säulenthor genannt (Bab-el-Hamond), das zierlichste aus allen, in der Einsenkung der Hügel liegend. Vor demselben an der Straße steht ein Brunnen. Von dort steigt die Ummauerung durch 500 Schritte wieder auf den Sion, springt 60 Schritte stumpfwinklich aus und hat in diesem Vorsprunge ein Wasserbecken vor sich. Dort zeigen sich auch auf wenige Schritte von den Mauern Reste der älteren oder römischen, Massen von Steinfülle mit schweren Quadern bekleidet. Nach 320 Schritten quer über die Höhe, mit vier Vorsprüngen, jeder zu 10 Schritten, erreicht man den anderen Winkel der Nordseite, der durch einen auf Felsen ruhenden Thurm zu 26 Schritten Breite gebildet wird. Dort endet der Graben, der vom Thore St. Stephan bis zu dieser Stelle der Ummauerung vorliegt, meist in den Felsen gehauen ist, bald 6 Fuß, bald 8 Fuß Tiefe und bis 24 Schritt Breite hat.

Nun geht die Mauer 60 Schritte tief ein, hält aber noch während 158 die Richtung S.N., worauf sie diejenige von S.S.O. nimmt und nach 300 Schritten das Thor von Bethlehem wieder erreicht.

Die Stadt hat demnach sieben Thore, und die Ummauerung in ihrer ganzen Entwicklung 5616 Schritte Länge. Vierzig Thürme und sechs und zwanzig Halbthürme oder Flanken brechen dieselbe. Davon fallen auf

die Nordseite1816Schritte,15Thürme,17Flanken
"Westseite968"10"5"
"Südseite1618"9"2"
"Ostseite1214"6"2"

Die Mauern sind von behauenen Steinen, mit Mörtel verbunden, hinlänglich dick, mit Deckungen, Stiegen und Auftritten versehen, im Durchschnitt 22 Lagen hoch, die Lage zu 28 Zoll. Die Zinnen halten zwei andere Lagen. Die ganze Höhe der Mauern beträgt also 56 Fuß. Am niedrigsten sind sie an der Südseite, wo sie zur Porta sterquilinia aufsteigen; am höchsten von dieser bis zum Südostwinkel. In dieser Strecke dienen die Reste älterer Mauern; es ruhen nämlich die zwei und zwanzig neuen Lagen auf fünf Lagen riesiger Werkstücke. Der Südostwinkel der letzten vierzehn Lagen, und der anderen zwei und zwanzig, und ist die mächtigste und zugleich, da der Berg ins Thal Josaphat abstürzt, die am wenigsten nahbare Stelle der Ummauerung. — Die Thürme haben durchaus Vierecke oder Rechtecke zur Grundfläche. Ihre Abstände unter sich sind ungleich. Die Breite derselben ist es auch, und wechselt von 6 bis 24 Schritten. Sie greifen von 4 bis 14 Schritte aus der Mauer vor. Die stärksten Thürme sind die beiden südlichen der Westseite; derjenige zwischen dem Südwestwinkel und dem Thore von Sion; der erste und dritte östlich von diesem Thore (jener ist fünf Schritte vorragend und 16 breit; dieser bildet den Winkel der Wendung aus Ost nach Nordost, hat 18 Schritte Breite und 8 und 9 Schritte Vorsprung); der Thurm Tankreds; der Thurm auf dem Felsvorsprung in der Nordseite, endlich derjenige welcher das westliche Ende dieser Seite bildet. Die Halbthürme (Flanken) greifen von der Breite eines Schrittes bis zu der von zehn vor. Die stärksten sind zu beiden Seiten des Nordwestwinkels.

Obgleich die Nordseite die eigentliche des Angriffes ist, so kann dieser doch mit Vortheil über die halbe Ost und Westseite ausgedehnt werden. Die Nordseite, als auf den Ausläufen der Flachhöhe geführt, ist beherrscht; ihr schwächster Punkt an der Pforte Ephraim.

Die Burg (auch der Thurm Pisani genannt) steht hart innerhalb dem Pilgerthore, und ist ein mit tiefem Graben umgebenes Rechteck zu zweihundert Schritt Breite und etwa sechzig Länge. Sie ragt mit zwei hohen Thürmen über die Stadtmauer zur Linken des Pilgerthores, weiset gegen Süd andere zwei von bedeutender Stärke, und eben so viele gegen Ost, zwischen welchen der Eingang ist. Diesem wurde kürzlich eine Batterie vorgelegt, um die Stadt bequemer im Zaume zu halten. Diese Burg ruht ohne Zweifel über derjenigen Davids, die ihrerseits auf der Burg der Jebusiter ruhte. »David aber gewann die Burg Sion, das ist Davids Stadt.« (Chron. III. 5) »David aber wohnte auf der Burg; darum heißt man sie Davids Stadt« (e. d. 7.). Die Stelle ist die beherrschende der Stadt. Eine Burg in ihr kann daher nicht anderswo, als an diese Stelle gesetzt worden seyn. Ein Beleg hiezu sind auch folgende Worte: »Und der Knabe auf der Warte hob seine Augen auf und schaute; und sieh, eine Menge Volkes kam auf dem Wege herbei, an der Seite des Berges« (II. Sam. 13). Von keinem Orte der Stadt überschaut man besser die Wege, so von der Flachhöhe nach der Stadt führen, als von derjenigen, wo die Burg noch heut zu Tage errichtet steht. Von ihren Zinnen liegen vor dem Blicke zwei Wasserbecken auch heute noch so nahe, daß man sich an dem Anblicke eines darin Badenden hinlänglich ergötzen kann, das eine in der Schlucht gegen Westen des Pilgerthores, das andere, innerhalb der Stadt, im Norden der Burg; das eine oder das andere nimmt man für das Becken, worin David, von den Zinnen der Burg herab, Bethseba, das Weib Urias des Hethithers belauschte.

Da zu den Zeiten Christi der Golgatha außerhalb den Mauern der Stadt lag, aus vielen Stellen der Bibel aber, und so auch aus der Natur des Bodens klar hervorgeht, daß im Osten, Süden und Westen und an der Nordostseite die Ummauerung der damaligen Stadt derjenigen der heutigen gleich kam, so ist nur die Strecke vom Pilgerthore bis zu demjenigen von Damaskus als vorgeschoben zu betrachten, und es ist wahrscheinlich, daß damals die Ummauerung von dem auf dem Felsvorsprunge stehenden Thurme der Nordseite längs dem Abfalle der Höhe Bethseda südlich zog, die Via dolorosa durchschnitt und den Morija hinaufstieg, dort aber sich mit einem vom Pilgerthore, östlich den Sion herabziehenden Theile der Ummauerung traf. Die Bibel deutet häufig auf eine doppelte Mauer; z. B. »Und er (Hiskiä) ward getrost und besserte die Mauern aus, wo sie lückig waren und machte Thürme darauf, und bauete draussen noch eine Mauer« — (II. Chron. XXXII. 5). »Darnach baute er (Manasse) die äußersten Mauern an der Stadt Davids von abendwärts an Gihon im Bach, und da man zum Fischthor eingeht, und umher am Ophel, und machte sie sehr hoch« (II. Chron. XXXIII. 14).

Diese Mauern wurden aber durch die Babylonier niedergerissen. Als Kyros den Juden die Rückkehr ins Vaterland gewährte, erlaubte er ihnen zwar den Tempel wieder aufzubauen; als sie aber, unter Artaxerxes (Arthasastha), auch die Mauern wieder herstellen wollten, verbot dieser König es zunächst (Esra. IV.), weßhalb auch Nehemia schreibt: »Und ich ritt zum Thalthor aus bei der Nacht, vor dem Drachenbrunnen und an das Mistthor; und that mir wehe daß die Mauern Jerusalems zerrissen waren, und die Thore mit Feuer verzehrt. Und ging hinüber zu dem Brunnenthor und zu des Königes Teich; und war da nicht Raum meinem Thier, daß es unter mir hatte gehen können« (II. 13. 14). Im folgenden Kapitel schildert Nehemia auf das genaueste den Zug der Ummauerung, wie unter seiner Leitung sie dennoch erbaut wurde. Der Bau, eigentlich gleichzeitig auf der ganzen Länge der Entwicklung geführt, fing am Schafthore an, ging von da nach dem Fischthor, wieder nach dem alten Thore, über die breite Mauer nach dem Thalthore, nach dem tausend Ellen davon entlegenen Mistthore, weiter nach dem Brunnenthor, und vorbei an der Quelle Siloe (Seloah) am Garten des Königes und an den Stufen, die von der Stadt Davids heruntergingen, an den Gräbern Davids, am Teich Asuja und an der Burg der Krieger bis an den Winkel am Rüsthause, der hinauf die Höhe zog und wovon ein Theil schon auf der Höhe selbst lag. Weiter machte die Ummauerung ein paar Winkel bis nach einem hohen Thurme, der vom Königshause heraussah, umschloß den Ophel (den ich für gleichbedeutend mit der Höhe Bethzeda halte), wo das Wasserthor stand, ging nach dem Roßthore und weiter nach dem Rathsthore bis an die Nordostecke, worauf sie das Schafthor wieder erreichte.