Von Tzöri führt ein Weg nach einem Brunnen am Gestade, der treffliches Wasser hat, und ein uralter Bau ist. So wie man diesen Weg kreuzt (1 Stunde), hat man niedere Felsenriffe zur Rechten, die sich nach und nach zu niederen Felshügeln erheben, und gleichlaufend dem Gestade, dieses von der großen Ebene scheiden. Diese Riffe und Hügel sind voll eingehauener Gräber und Wohnungen, und voll Steinbrüche. Ein Bach grub sich den Weg durch dieselben. Ist man über diesen gekommen (1-1/2 Stunde), so bemerkt man Reste eines Thurmes, römischen Baues, auf den Hügeln selbst und bald darauf eine Straße quer durch dieselben gehauen. Die Reste einer mächtigen Verrammlung aus Werkstücken weisen sich am Eingange in diesen Paß, der einst mit einem Thore geschlossen war. Man gelangt durch denselben an das Gestade. Dieses hat eine schmale Ebene vor sich. Da steht, aus niederem Vorsprunge in die See, der Ort Athlit, mit Mauern, Thürmen und römischen Trümmern, jetzt nur von wenigen, und zwar türkischen Familien bewohnt.
Nun behält man die Hügelkette zwischen sich und der großen Ebene, und folgt dem Gestade. Man findet an diesem Wege eine Menge alter Brunnen, und in den Felsgrund abgeteufter Kornmagazine, denen auf der Halbinsel Munychia ähnlich. Dieselben gleichen an Form den Amphoren und antiken Krügen, worin man Öhl, oder andere Flüssigkeiten bewahrte, und den Wasserkrügen der Araberinnen am Nil. Sie haben einen runden, verhältnißmäßig schmalen Hals von zwei bis vier Fuß Durchmesser, und bauchen sich dann bis auf vierzig und mehr Fuß aus.
Zwanzig Minuten Weges unter Athlit ist ein zweiter Durchschnitt in der Hügelkette, gleichfalls Werk von Menschenhand. Auch stehen Mauerreste dort. An diese Stelle dürfte eines der Städtchen zu setzen kommen, die Strabo, als zwischen dem Karmel und Cäsarea liegend anführt, nämlich Sykaminopolis, Bukolopolis, Krokodilopolis u. a. m. (p. 758). Drei Viertelstunden weiter fanden wir das Beduinendorf Surfent, wo wir, da es Abend war, bei den Aeltesten einsprachen. Diese, im Vorhofe der Moschee versammelt, wiesen uns Ungläubigen die Moschee selbst als Schlafgemach an, und gaben uns die Stelle an der Kibla. Wir machten dort Feuer an, bereiteten den Kaffeh, aßen Schinken, tranken Wein und schliefen mit einigen zwanzig Hirten gemeinschaftlich. Bei einem in Religionssachen lauen Volke wäre dies Beispiel der Duldung wenig zu rühmen; bei diesem aber ist es ein Sieg der Gerechtigkeit. Um ein Uhr nach Mitternacht standen die Hirten auf, wuschen sich, nahmen ihre Keulen zur Hand und gingen zu den Herden. Wir wurden weder durch Neugierde, noch Mißtrauen, noch durch Zudringlichkeit geplagt.
Von Surfent bis an das Städtchen Tentura ist eine halbe Stunde Weges. Es hat einen Sumpf vor sich, der ein ummauerter Teich gewesen zu seyn scheint. Auf dem äußersten Vorsprunge des Ufers steht eine hohe Warte, Bau aus Römerzeit. Viele andere römische Reste, und einen künstlichen, nun versandeten Hafen weiset der Ort.
Die Bibel kennt Tentura unter dem Namen Dor, als eine kananitische Stadt, die bei der Vertheilung des Landes der einen Hälfte des Stammes Manasse zur Besitznahme zugewiesen wurde. Die Kinder Israel konnten aber die Stadt nicht erobern, und machten erst späterhin die Kananiter darin sich zinsbar. (Josua, XVII. 11-13, Richter, I. 27.) — Unter Salomo wurde die vierte der zwölf Regionen des Reiches nach ihr benannt und Abinadab, der eine seiner Söhne, schlug darin den Sitz auf. (Jos. Ant. VIII. 2.) Polybius kennt sie als eine feste Stadt, welche in den Kriegen zwischen Ptolemäus und Antiochus dem letzteren widerstand. (V.) Josephus erwähnt ihrer an mehreren Orten, und Claudius Julus sagt, daß wegen des Reichthums des Gestades an Purpurmuscheln die Phöniker sich dort anbauten, den Hafen gründeten und die Stadt mit Mauern umgaben (Phön. III.). Die Griechen gefielen sich, einen Sohn Poseidons, Dorus, als Gründer zu nennen (Steph. Εξνιχά ad voc. Doros), was wenigstens den Ursprung der Stadt in urälteste Zeit setzt, und so die biblische Angabe bestätiget. Auf Kaisermünzen führt Dora häufig den Beinamen die heilige, und auch den der unverletzbaren und der selbstherrschenden (ΔΩΡ. ΙΕΡ. ΑCΤΑ. ΑΤΤΟ.). Nach Einführung des Christenthums wurde sie ein Bischofsitz; jetzt ist sie ein Haufen Trümmer, in welchem etwa zweyhundert Menschen herumkriechen. —
Von Dor am Sandgestade fortwandelnd, das fußtief mit den schönsten Muscheln bedeckt ist, kommt man über zwei Bäche und an die Ruinen einer römischen Brücke über einer dritten (1-1/2 Stunde), der wahrscheinlich der Flumen crocodilon des Plinius, oder auch der Krysorroas des Ptolemäus, oder endlich der Cana des Josua (XVII. 9.) ist; dann an gewaltige Ufermauern (1/2 St.), zum Theil von Bogen getragen, hoch und über eine Viertelstunde lang. Diese schließen sich an die Ruinen von Cäsarea, welche die flache Uferhöhe krönen.
Auf einer Küste von der Beschaffenheit, wie die syrische, gegen welche der tägliche Westwind die See aus weiter Ferne ungehindert heranführt, und die überdieß schon in ältester Zeit von einem Schiffahrt treibenden Volke bewohnt wurde, mußte jede Stelle, die Schutz den Schiffen bietet oder mit verhältnißmäßig geringeren Mühen und Kosten als eine andere dazu eingerichtet werden konnte, ein Vereinigungspunkt für den Fleiß werden, und zur Gründung einer Stadt einladen. Eine solche Stelle ist die von Cäsarea. Senkrecht auf die Uferlinie streckt sich ein Felsenriff etwa 400 Schritte weit in die See vor. Kleine Einbuchten sind demselben zur Seite. Diese konnten von den phönizischen Seeleuten wohl nicht übersehen werden, und schon in ältester Zeit mag zu äußerst auf dem Riffe eine Warte aufgerichtet worden seyn, dem Schiffer ein Zeichen bei Tag und Nacht. Dahin deutet auch der ältere Name von Cäsarea, der, nach Strabo, der Thurm des Strato hieß, was einen Ort voraussetzen macht, der sich um eine schon bestehende Warte angesiedelt hat, wie heut zu Tage in Ägypten um die Telegraphenthürme Orte sich bilden. Herodes erweiterte und verherrlichte die Stadt am Ende der 192. Olympiade, d. i. acht oder neun Jahre vor Christo, und nannte sie, Augustus zu Ehren, Cäsarea. (Jos. Antiq. XVI. 9.) Was dermalen an Trümmern sichtbar ist, geht nicht über diese Epoche hinauf.
Noch stehen die Mauern und Thore der Stadt. Der Reisende findet darin Herberge unter den Trümmern, und Brunnen für ihn und seine Rosse; aber kein Mensch bewohnt diese Stätte, die vielmehr eine geflohene ist, aus Furcht vor den Beduinen. Ich umging und maß die Mauern, bestieg und durchkroch die Reste. Hohes Gras und Blumen, dicht und bis an die Brust reichend, decken den ganzen Stadtraum. Sie fordern zur Vorsicht auf, wohin man den Fuß setze, damit man nicht in die Brunnen, Gewölbe und Löcher stürze, die von der grünen Hülle bedeckt sind. — Cäsarea ist ein Rechteck von 540 Schritten Länge von Süd nach Nord, und 350 Schritten Breite von Ost nach West. Die Ostseite hat zehn Thürme; die gegen Nord deren drei und eine Art Bollwerk am nordwestlichen Winkel; die See- oder Westseite zeigt dermalen ebenfalls nur drei, es nimmt aber der nördliche Hafen mehr als die Hälfte der Entwicklung dieser Seite ein; die Südseite hat vier Thürme. Von der Südwestecke greift der Felsenriff vor, der den abgesonderten Bau des Schlosses trägt, dem wieder an der äußersten Spitze ein Wartthurm vorliegt. Starke Dämme sind von dem Schlosse hinaus in die See gezogen. Zur Linken dem Riffe und somit dem Schlosse bleibt der südliche Hafen. Beide Häfen waren durch die Kunst bis auf 200 Schritte Durchmesser erweitert und mit Mauern gesichert worden. Die Landseiten haben einen Graben zu 36 Fuß Breite, mit gemauerter Gegenwand vor sich. Thürme und Mauern sind geböscht, was ich für späteren Zubau halte, wahrscheinlich aus den Zeiten der Kreuzzüge. Die Mauern haben von 20 bis 30 Fuß Höhe, 6 Fuß Dicke; die Thürme, ungleichen Abstandes unter sich, von 50 bis 90 Fuß Breite. Die Stadt scheint vier Thore gehabt zu haben. Zwei derselben bestehen noch. Die Thorangeln rollten in Marmorkugeln. Das Thor der Ostseite ist verfallen. Wir ritten darüber weg in die Stadt. Das vierte, das nach dem innern oder nördlichen Hafen geführt haben dürfte, ist sammt den Hafenmauern verschwunden. Vor der Nordseite ist eine Art Glacis angebracht, hinter welchem die hohe Gestademauer beginnt. Alle Mauern sind aus Werkstücken mit Mörtel gebunden.
Das Schloß, von der Stadt durch einen 125 Fuß langen und 25 Fuß breiten Weg, welcher das Gestade beider Häfen verbindet, geschieden, ist ein Viereck, aus dem ein hoher Thurm emporsteigt. Eine Menge Säulenschäfte grauen, auch einige rothen Granites, offenbar aus Ägypten herübergeschleppt, sind als Werkstücke benützt. Der Damm an der Nordseite des nördlichen Hafens, so wie derjenige, der vom Schlosse auf etwa 200 Schritte südwest in die See gezogen ist, und auf dessen äußerster Spitze die Warte steht, sind fast ausschließlich aus Trümmern weit älterer Bauten und hauptsächlich aus Granitsäulen zusammengesetzt. Am Fuße des Schlosses, nordwärts, schon im Wasser des nördlichen Hafens, liegt ein Fußgestell aus einem einzigen Blocke Syenit zu 6' 4" Breite und Länge und 3' 2" Höhe. Die Mauern nach dieser Seite sind ungeachtet ihrer beträchtlichen Dicke eingestürzt. Ich bestieg den Thurm im Schlosse, der vor sich eine Cisterne und einen tiefen Schacht hat. Zwei Gewölbe im Thurme sind noch erhalten. Die Thorleisten der Eingänge zu denselben sind von Köpfen schlechter Arbeit getragen. Von der Spitze des Thurmes überblickt man die ganze Stadt, und weithin See und Land. Das südlichste Vorgebirge, welches das Auge erreicht, bleibt in S. 20° W; Athlit aber N bei O.
Die Ruinen im Innern der Stadt sind große Massen aus Backsteinen, bieten aber wenig Merkwürdiges. Im Nordwestwinkel steht hart an der Mauer eine unterirdische Kirche; Reste anderer Kirchen erkennt man, darunter eine von schweren Mauern, vielleicht die Kathedrale dieses einstigen Sitzes eines Erzbischofes, der zwanzig Bischöfe unter sich hatte.