Nahe außerhalb dem südlichen Thore sieht man die Form des Stadiums. Die Bekleidung desselben ist verschwunden, doch liegen ein paar Granitsäulen darin. Auf einem Blocke las ich den Namen Fibianus Candidus. Weiter trifft man auf eine andere Umwallung, welche der Vorstadt am südlichen Hafen angehörte. Auch an diesem Hafen sind viele Mauerreste aus älteren Trümmern, und Dämme schützen nach beiden Seiten die Einfahrt.

In der Apostelgeschichte, so wie überhaupt in den ersten Jahrhunderten des Christenthums erscheint Cäsarea als eine mächtige Stadt. Dahin retteten die Gefährten den Apostel Paulus, und ließen ihn nach Tarsus einschiffen (IX. 30). Zu Cäsarea wohnte »Cornelius, ein Hauptmann von der Schaar die da hieß die Wälsche« (X. I), den Petrus taufte. Herodes hielt gerne seinen Hof in dieser Stadt. »Er zog von Judäa hinab gegen Cäsarea, und hielt allda sein Wesen, denn er gedachte wider die von Tyrus und Sidon zu kriegen. Die aber kamen einmüthiglich zu ihm und überredeten des Königs Kämmerer Blastum, und baten um Frieden, darum, weil ihre Länder sich nähren mußten von des Königs Lande. Aber auf einem bestimmten Tag that Herodes das königliche Kleid an, setzte sich auf den Richtstuhl und that eine Rede zu ihnen. Das Volk aber rief: das ist Gottes Stimme, und nicht eines Menschen. — Alsobald schlug ihn der Engel des Herrn, darum, daß er die Ehre nicht Gott gab, und ward gefressen von den Würmern, und gab den Geist auf«. (XII.)

Paulus, auf seinem Rückwege aus Griechenland und Kleinasien, zu Ptolemais, d. i. S. Jean d'Acre gelandet, zog von dort den Landweg nach Cäsarea, wo Philipp der Evangelist, »der einer der Sieben war« (XXI. 8) wohnte. In dessen Hause wurde dem Apostel die Gefangennehmung geweissagt, die ihn kurz darauf zu Jerusalem traf, und die ihn wieder zurück nach Cäsarea in die Hand des Landpflegers Felix brachte (XXIII.); dort wurde er von dem Hohenpriester und den Ältesten angeklagt, und mußte, obwohl nicht überwiesen, ja sogar im Herzen von diesem Römer freigesprochen, aus Gleichgültigkeit oder Unentschlossenheit desselben, zwei Jahre in der Haft bleiben (XXIV.), bis er durch seine Beredsamkeit von dem Könige Agrippa das Zeugnis der Unschuld, und, auf das Recht des römischen Bürgers sich berufend, von dem neuen Landpfleger Festus die Erlaubniß erhielt, vor den Kaiser nach Rom gebracht zu werden. (XXVI.)

Zu Vespasians Zeiten wurde Cäsarea als Kolonie betrachtet und Flavia Augusta Cäsarea genannt. Scherif Ebn-Idris und Abulfeda kennen sie als mächtigen und starken Platz. So erscheint sie auch in den Kreuzzügen. Wann sie verfiel und endlich ganz verlassen wurde, und zur Stätte wilder Thiere und Räuber herabkam, weiß ich nicht zu beantworten. Ruhig lagen wir vor der Halle des südlichen Thores; ein Türke aus Damaskus hatte sich zu uns gesellt; wir verzehrten gemeinschaftlich das Mittagbrot, und holten uns Wasser aus dem Brunnen innen am Thore. Es war dieß ein öffentlicher Brunnen gewesen; ein paar Steinbecken stehen noch daneben. Wie manches Jahrhundert hindurch mag er Wasser den Bewohnern der Stadt gegeben haben, die nun ein Feld von Blumen und Disteln ist! —

Nachdem wir drei Stunden längs dem Gestade durch Sand und Muscheln, welche die schönsten Farben in Gelb, Blau und Purpur spielten, weiter geritten waren, wandten wir links ins Land, erst über Heide (1/4 St.), dann über Fruchtboden, Hügel und Sumpfstrecken bis ans Dorf Mohallet (1/2 St.), das ich für das El-Mukhalid Buckinghams (Travels in Palestina, I. 217) und für das Mohaila des Relandus (Paläst. III.) halte. Dieser Ort, der einige Ruinen aus Römerzeit zeigt, ist nach meiner Ansicht auch einer und derselbe mit dem Moleahä der Notitia dignitatum Imperii Romani (Paris 1651. Sect. 21), indem diese die Cohors prima Flavia dahin verlegt, was auf die Nähe von Cäsarea deutet.

Wir ruheten dort unter einer Sykomore, die groß genug war, um mit ihren Zweigen uns und unsere Pferde gegen die Sonne zu schützen; wir waren aber unser Zwölf, denn es hatten sich auch ein Armenier aus Alexandria und ein Grieche aus Akka nebst Dienern an uns geschlossen. Mohallet liegt auf der Ostseite der Hügelscheide zwischen der See und der großen Ebene. Diese lag nun aufgethan vor uns mit ihrer Fülle von Getreide, mit ihren Öhl- und Johannisbrotbäumen, mit ihren zahllosen Herden von Rindern, Schafen und Pferden. Jenseits stieg das nackte Gebirge von Samaria empor und im NO. glänzte hoch im blauen Himmel eine riesige Schneemasse, der Antilibanon.

Von Mohallet bis Dschelir sind 3-1/2 Stunden Weges über Hutweide, Sanddünen und Feld. Man kommt halbwegs über einen starken Bach, den Nahr-el-Kassab, und findet dann Sumpf. Die See bleibt auf eine Viertelstunde zur Rechten. Später entfernt man sich bis auf eine Stunde von derselben. Dschelir ist ein arabischen Dorf, zwischen und auf zwei Hügeln liegend. Die Einwohner empfingen uns mit Steinwürfen. Wir brachten die Nacht in einer schlechten Hütte zu. Am Meere liegt der Ort Eujejalie, vielleicht Apollonia (Jos. Antiq. XIII. 23), welchen die Peutingerische Tafel halbwegs zwischen Cäsarea und Joppe setzt. —

Eine Stunde vor Tagesanbruch verließen wir die ungastliche Herberge, ritten über Hügel in ein Thal nieder, das links nach der Ebene und rechts nach der See sich öffnet, und kamen darin über einen starken Bach, Nahr-el-Arsuff, wo eine Steinbrücke auf Resten einer älteren steht (1 Stunde). Trümmer von Gebäuden sind zur Seite, rechts aber auf den Hügeln die ärmlichen Hütten des türkischen Dorfes Schech-Said. Auf der jenseitigen Höhe fanden wir ein Beduinenlager (1/2 St.), aus schwarzen Zelten bestehend, die ins Viereck geordnet waren und die Herden umschlossen. Man grüßte uns freundlich und bot uns Milch. Eine weite Ebene zeigt sich im Süden dieser Höhe und in derselben der Thurm der Templer von Ramle, noch 3-1/2 Stunde entfernt. Die Ebene ist voll Ortschaften. Wir kamen durch Tschelebi, Jasur, Gebra, Hadelet und Agrab. Alle sind von dichtem Gehäge indischer Feigen umgeben, die hier stärker und höher sind, als ich sie irgendwo sah. Alles ist oder war Blatt an diesem Gewächse, das eine Art Zerrbild eines Baumes ist. Ein Blatt wächst aus dem andern, aus dem Rande des Blattes die Blüthe und weiter die Frucht; das untere Blatt verholzt sich dann, schmiegt sich an das nächste, das in gleichem Zustande sich befindet, und so wird ein Stamm daraus. —

Ramle, welches Einige irriger Weise für Rama in Ephraim halten, ist wahrscheinlich die Arimathäa der Schrift (Hieron. Epist. Paulae). — Wir stiegen im Kloster des heiligen Landes ab, ein geräumiges, mit hohen Mauern umschlossenes Gebäude, zur Herberge für die Pilger von Philipp dem Guten, Herzoge von Burgund, gestiftet. Zwei spanische Mönche des heil. Franziskus, Pater Thomas und Cyrillus Simeon, der eine aus Murcia, der andere aus Kastilien, empfingen uns dort gut und bewirtheten uns mit etwas Fischen, Brot und Gemüse. Die Kirche des Klosters soll an der Stelle des Hauses Josephs von Arimathäa stehen, der den Heiland begrub. Sie ist klein, faßt aber leicht die jetzige katholische Gemeinde von Ramle, die nur aus zwei Familien besteht. Das Kloster genießt unverbrüchlichen Schutzes von Seite des türkischen Gouverneurs der Stadt, an welchen es dafür jährlich die geringe Summe von 100 Piastern und ein Geschenk von 4 Ellen Tuch gibt.