Der Fürst hörte geraume Zeit ihre Vorwürfe schweigend an, aber sein Gesicht verfinsterte sich mehr und mehr.

„Sie ist so beklagenswert, die Arme, so beklagenswert; und du fühlst nicht, daß sie Schmerz empfindet bei jeder Andeutung dessen, was die Ursache davon ist. O, daß man sich so sehr in den Menschen irrt!“ rief die Fürstin aus und an der Veränderung des Tones ihrer Stimme erkannte Dolly und der Fürst, daß sie Wronskiy meinte. „Ich begreife nicht, daß es keine Gesetze giebt gegen solche Abscheuliche, Unedle!“

„Du dürftest wohl nur nicht gehört haben,“ versetzte der Fürst finster sich aus dem Lehnstuhl erhebend, und gleichsam im Wunsche, das Zimmer zu verlassen, noch an der Thür stehen bleibend.

„Es giebt recht wohl Gesetze, meine Liebe, und wenn du mich schon dazu herausforderst, so will ich dir sagen, wer an allem schuld ist. Du, du und nur du! Ja, wenn das nicht wäre, was eben nicht sein dürfte — ich bin leider ein Greis — so würde ich ihn vor die Barriere fordern, diesen Gecken. Nun aber kuriert nur und führt diese Charlatane bei Euch ein.“

Der Fürst schien noch viel sagen zu wollen, aber kaum hatte die Fürstin seinen Ton wahrgenommen, so beruhigte sie sich und ging in sich, wie sie dies gewöhnlich bei ernsten Fragen zu thun pflegte.

Alexandre, Alexandre,“ flüsterte sie, sich auf ihn zu bewegend und in Thränen ausbrechend.

Sie hatte kaum zu weinen begonnen, als der Fürst verstummte. Er trat zu ihr hin.

„Nun, laß sein, laß sein! Es ist dir schwer genug zu Mute, ich weiß es wohl, aber was ist hier zu thun? Das Unglück ist noch nicht zu groß und Gott ist barmherzig,“ sagte er, ohne selbst recht zu wissen, was er sagen sollte, und auf den feuchten Kuß der Fürstin antwortend, den er auf seiner Hand fühlte.

Auch der Fürst verließ den Salon.

Kaum war Kity in Thränenströmen hinausgegangen als Dolly in ihrer Art als Familienmutter sogleich erkannte, daß hier eine Weiberthat zur Ausführung gelangen müsse und sie bereitete sich vor sie auszuführen.