In der Gesellschaft, in welcher sie lebte, brachten derartige Reden den Effekt des geistreichsten Witzes hervor. Die Fürstin Mjagkaja vermochte nicht zu begreifen, wie es kam, daß ihre Worte so wirkten, allein sie wußte, daß dies der Fall war, und sie nutzte diese Erkenntnis aus.
Obwohl alles den Worten der Fürstin Mjagkaja die vollste Aufmerksamkeit widmete, und selbst das Gespräch in der Umgebung der Frau des Gesandten abgebrochen worden war, wollte gleichwohl die Herrin des Hauses das Augenmerk der Gesellschaft auf einen Punkt lenken und wandte sich daher an die Dame des Gesandten.
„Wollt Ihr in der That keinen Thee? Ihr hättet zu uns herüberkommen müssen,“ begann sie.
„O nein; ich sitze recht gut hier,“ versetzte lächelnd die Frau des Gesandten und setzte die angesponnene Unterhaltung fort.
Das Gespräch war sehr animiert; man richtete soeben die Karenin, Mann und Frau.
„Anna hat sich sehr verändert seit ihrem letzten Moskauer Aufenthalt. Es liegt so etwas Seltsames in ihr,“ äußerte ihre Freundin.
„Die Veränderung rührt namentlich daher, daß sie als ihren Schatten mit sich den Aleksey Wronskiy gebracht hat,“ sagte die Frau des Gesandten. „Was wollt Ihr doch. Grimm erzählt eine Fabel: Es war einmal ein Mensch ohne Schatten, ein Mensch der seines Schattens beraubt worden war zur Strafe für ein Vergehen. Ich vermag nicht zu begreifen, worin hier die Strafe liegen soll; indessen einem Weibe muß es allerdings unangenehm sein, keinen Schatten zu besitzen.“
„Ja, aber die Weiber, die einen solchen haben, enden meist nicht gut,“ antwortete die Freundin Annas.
„Hütet Eure Zunge,“ sagte plötzlich die Fürstin Mjagkaja, welche diese Worte vernommen hatte. „Die Karenina ist ein schönes Weib; ihren Mann liebe ich übrigens nicht, sie aber sehr.“
„Weshalb liebt Ihr ihren Mann nicht? Er ist doch ein so bedeutender Mensch,“ frug die Frau des Gesandten. „Mein Mann sagt, daß es nur wenig solcher Regierungsbeamten in Europa gebe.“