„Das Nämliche sagt auch mein Mann, aber ich glaube es nicht,“ antwortete die Fürstin Mjagkaja. „Hätten unsere Männer nichts gesprochen, so würden wir schon selbst erkannt haben, wie es mit ihm steht; nach meiner Meinung ist Aleksey Aleksandrowitsch einfach dumm. Ich sage dies nur unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Habe ich nicht recht, daß alles einmal herauskommt? Früher, als man mir aufoktroyiert hatte, ihn geistreich zu finden, forschte ich fortwährend, und fand mich selbst dumm, da ich seinen Geist nicht entdeckte; kaum aber hatte ich zu mir selbst gesagt, er sei dumm, natürlich ganz im geheimen, da war mit einem Male alles klar. Ist es nicht so?“
„O wie boshaft Ihr heute doch seid!“
„Nicht im geringsten. Ich habe keinen anderen Ausweg. Einer von uns beiden ist dumm; und ihr wißt ja doch, von sich selbst sagt man dergleichen nie.
„Niemand ist zufrieden mit seiner Lage, aber jeder mit seinem Verstande,“ warf der Diplomat mit einem französischen Verse ein.
„Da haben wirs; gewiß,“ wandte sich die Fürstin Mjagkaja sogleich an ihn. „Etwas ganz anderes aber ist es mit der Anna; sie ist ein reizendes liebes Weib. Was soll man ihr etwa deshalb nachsagen, weil alle Welt vernarrt ist in sie und ihr wie ein Schatten folgt?“
„Ich denke auch gar nicht daran, sie deshalb zu verurteilen,“ verwahrte sich die Freundin Annas.
„Wenn uns selbst niemand wie ein Schatten folgt, so haben wir deshalb noch lange kein Recht, einem anderen etwas Unrechtes nachzusagen.“
Nachdem sie derart die Freundin Annas abgefertigt hatte, wie es dieser zukam, erhob sich die Fürstin Mjagkaja und ließ sich mit der Frau des Gesandten am Tische nieder, wo sich das allgemeine Gespräch um den König von Preußen bewegte.
„Wen habt Ihr denn soeben dort verlästert?“ frug Bezzy.