23.

Wronskiy hatte schon mehrfach, wenn auch nicht so entschieden, versucht, wie jetzt, Anna zu einer Beurteilung ihrer Lage zu veranlassen. Er war stets auf jene Oberflächlichkeit, jenen Leichtsinn im Urteilen gestoßen, mit dem sie ihm auch jetzt geantwortet hatte auf seine Aufforderung.

Es lag etwas darin, was sie sich gleichsam nicht klar machen konnte oder wollte, gleich als ob, sobald sie nur hierüber zu sprechen begann, sie selbst in sich selbst hineingehen müßte, und als eine ganz andere wieder aus sich herauskäme, als eine seltsame, ihm fremde Frau, die er nicht liebe und nur fürchte, und welche ihm Widerstand leiste.

Heute aber hatte er den Entschluß gefaßt, ihr eine volle Erklärung zu geben.

„Weiß er nun etwas oder nicht,“ frug Wronskiy in seinem gewohnten, festen, ruhigen Ton, „weiß er nun etwas oder nicht, uns geht das nichts an. Wir können nicht — Ihr könnt unter obwaltenden Verhältnissen nicht so bleiben, besonders jetzt.“

„Aber was ist zu thun, nach Eurer Meinung?“ frug sie mit dem alten leichtsinnigen Spott.

Sie, die so sehr gefürchtet hatte, er möchte ihre Hiobspost zu leicht auffassen, sie fühlte sich jetzt davon gekränkt, daß er infolge derselben ausführte, es müsse gehandelt werden.

„Man muß ihm alles erklären und ihn verlassen.“

„Nicht übel, wenn ich dies thäte,“ antwortete sie.