„Ihr wißt wohl, was aus alledem folgen müßte?“

„Ich kann Euch alles im voraus erzählen“ — ein böser Glanz entzündete sich in diesen noch vor einer Minute so weichgewesenen Blicken: „Aha, Ihr liebt einen anderen und seid mit diesem in ein verbrecherisches Verhältnis getreten“ — bei der Nachahmung ihres Gatten that sie, was Aleksey Aleksandrowitsch gethan hatte; sie legte einen Nachdruck auf das Wort verbrecherisch. „Ich habe Euch vorher auf die Folgen eines solchen in religiöser, in bürgerlicher und familiärer Beziehung aufmerksam gemacht. Aber Ihr habt mich nicht gehört. Jetzt kann ich meinen Namen nicht der Schande überliefern — ebensowenig wie meinen Sohn,“ wollte sie hinzufügen, aber über den Sohn vermochte sie nicht zu scherzen, „der Schande nicht überliefern,“ ergänzte sie und sprach noch weiter in dieser Weise. „Im allgemeinen wird er mit seiner aristokratischen Manier, seiner Klarheit und Präzision sagen, er könne mich nicht von sich lassen, sondern werde Maßregeln, die von ihm abhingen, ergreifen, um den Skandal zu vermeiden. Und er wird ruhig und gewissenhaft thun, was er sagt. So wird es kommen. Er ist kein Mensch, sondern eine Maschine, aber eine gefährliche Maschine, wenn sie erzürnt ist,“ fügte sie noch hinzu, in der Erinnerung an Aleksey Aleksandrowitsch und an alle Einzelheiten seiner Erscheinung, seiner Sprechweise, und ihm alles zum Fehler anrechnend, was sie nur Übles an ihm zu entdecken vermochte, und ohne ihn um Verzeihung zu bitten für die furchtbare Sünde, deren sie sich vor ihm schuldig gemacht hatte.

„Aber Anna,“ fuhr Wronskiy mit überzeugender weicher Stimme fort, sich bemühend, sie zu beruhigen, „es ist doch notwendig, ihm alles zu sagen und sich dann dem zu fügen, was er unternehmen wird.“

„Und wie stände es mit einer Flucht?“

„Weshalb nicht fliehen? Ich sehe überhaupt keine Möglichkeit, dieses Verhältnis fortzusetzen, und spreche nicht in meinem Interesse, sondern ich sehe, daß Ihr leidet!“

„Ja, fliehen; und ich muß alsdann Eure Geliebte werden,“ sagte sie bitter.

„Anna,“ antwortete er vorwurfsvoll zärtlich.

„Ja, ja,“ fuhr sie fort, „ich werde Eure Geliebte werden und alles ins Unglück stürzen.“

Sie wollte wiederum hinzufügen „auch mein Kind“; aber sie vermochte nicht, dieses Wort auszusprechen.

Wronskiy konnte nicht begreifen, wie sie mit ihrer starken, ehrenhaften Natur imstande war, diese Situation voller Lug und Trug noch zu ertragen, daß sie nicht wünschte, sich derselben zu entziehen, doch er ahnte ja nicht, daß der hauptsächlichste Grund hierfür das Wort „Sohn“ bildete, das sie nicht über die Lippen zu bringen vermochte.