„Wozu brauchen wir Schulen?“
„Was sagst du da? Kann etwa ein Zweifel über den Nutzen der Bildung bestehen? So gut wie sie dir nützlich ist, wird sie es jedermann.“
Konstantin Lewin fand sich moralisch an die Wand gedrückt und geriet infolge dessen in Zorn, weshalb er unwillkürlich den hauptsächlichsten Grund seiner Gleichgültigkeit der socialen Frage gegenüber äußerte.
„Mag sein, daß alles das ganz gut ist; weshalb aber soll ich mich um die Anlage ärztlicher Stationen kümmern, von denen ich selbst nie einen Nutzen habe, oder mich um Schulen kümmern, in die ich meine Kinder gar nicht senden werde, ja, in welche selbst die Bauern ihre Kinder nicht schicken wollen. Ich bin auch gar nicht fest überzeugt, daß sie ihre Kinder in die Schule schicken müßten.“
Sergey Iwanowitsch war eine Minute lang erstaunt über diese unerwartete Anschauung von der Sache, hatte aber sogleich einen neuen Angriffsplan entworfen.
Er schwieg, langte eine der Angelruten aus dem Wasser, warf wieder aus, lächelte dann und wandte sich an seinen Bruder.
„Gestatte. Zuerst ist wohl die medizinische Station unerläßlich nötig. So haben wir doch der Agathe Michailowna wegen nach dem Arzte des Semstwo schicken müssen?“
„Ich denke, die Hand wird krumm bleiben.“
„Das ist noch die Frage. Ferner ist dir also ein Bauer, ein Arbeiter, welcher lesen und schreiben kann, doch nötiger und nützlicher.“
„Nein. Frage, wen du willst,“ versetzte Konstantin Lewin in entschiedenem Tone, „ein Arbeiter der schreiben und lesen kann, ist bei weitem weniger wert. Die Wege lassen sich auch nicht ausbessern, denn sobald man Brücken baut, stehlen sie dieselben.“