„Alle Heiligen, das neue weiße Kleid! Tanja, Grischa!“ sprach die Mutter und bemühte sich, das Kleid zu retten, aber mit Thränen in den Augen, lächelnd voll Seligkeit und Entzücken.

Man zog den Kindern die neuen Kleider aus und ließ die Mädchen Blusen, die Knaben ihre alten Kutten anziehen. Hierauf sollte zum Ärger des Verwalters, der Braune wiederum mit eingespannt werden, da es zum Pilze suchen und nach dem Bade gehen sollte. Ein Sturm von Freudenschreien erhob sich in dem Kinderzimmer und verstummte erst bei der Abfahrt nach dem Bade.

Die Kinder sammelten einen ganzen Korb voll Pilze, selbst die kleine Lily fand einen Birkenpilz. Früher war es so, daß Miß Goul sie fand und ihr zeigte, jetzt aber fand sie schon selbst einen großen Pilz und ein allgemeiner Freudenschrei ertönte „Lily hat einen Pilz gefunden!“

Hierauf fuhren sie an den Fluß. Die Pferde wurden unter die Birken gestellt und die Kinder begaben sich ins Bad. Der Kutscher Terentij band die Pferde, welche die Bremsen von sich abwedelten, an einem Baume fest, und legte sich alsdann auf das Gras, im Schatten der Birken seine Pfeife schmauchend, während aus dem Bade das lustige Geschrei der Kinder zu ihm herüberdrang.

Obwohl es eine schwierige Aufgabe war, alle die Kinder zu beaufsichtigen und ihren Mutwillen zu dämpfen, obwohl es eine Aufgabe war, die sämtlichen kleinen Strümpfchen zu merken und nicht durcheinander zu wirren, die Höschen und Schuhe von verschiedenen Größen, sie auszuziehen, die Schlingen und die Knöpfe aufzuknöpfen, so hatte doch Darja Aleksandrowna, die selbst das Baden stets geliebt hatte, es als zuträglich für die Kinder haltend, an nichts soviel Vergnügen, als an diesem Baden mit allen ihren Kindern. Alle diese kleinen runden Beinchen durchzumustern, ihnen die Strümpfe anzuziehen, die nackten kleinen Leiber auf die Arme zu nehmen und zu waschen und die lustigen Aufschreie oder das erschreckte Wimmern der Kinder zu hören und die halb atemlosen Gesichterchen ihrer plätschernden Cherubim mit den weitgeöffneten erschreckten oder lachenden Augen zu sehen — das war ihr ein hoher Genuß.

Nachdem schon die Hälfte der Kinder ausgekleidet war, kamen einige Weiber heran ans Bad. Marja Philimonowna rief eines derselben, um ihr ein in das Wasser gefallenes Badetuch und ein Hemd zum trocknen zu geben, und Darja Aleksandrowna sprach die anderen Weiber an. Diese lachten sich anfangs verlegen ins Fäustchen und verstanden nicht, wonach sie gefragt wurden, doch bald wurden sie kühner und begannen zu reden, und nahmen nun Darja Aleksandrowna durch ihre aufrichtige Verwunderung, die sie über die Kinderchen zeigten, für sich ein.

„Ach, welche Schönheit, weiß wie Zucker,“ sagte das eine der Weiber, Tanja wohlgefällig beschauend und den Kopf schüttelnd, „aber ein wenig mager“ —

„Ja, sie ist krank gewesen.“

„Wird denn das da auch gebadet?“ sagte ein anderes Weib, auf das kleine Brustkind weisend.

„Nein; das ist erst drei Monate alt,“ versetzte Darja Aleksandrowna mit Stolz.