„Ich will hierauf nur das Eine noch bemerken. Ihr versteht wohl, daß ich von meiner Schwester spreche die ich liebe, wie meine eigenen Kinder. Ich sage nicht, daß sie Euch geliebt hätte, ich wollte nur andeuten, daß ihre Abweisung damals gar nichts beweist.“
„Ich weiß das nicht,“ antwortete Lewin aufspringend, „aber wüßtet Ihr nur, wie weh Ihr mir thut! Die Sache ist ebenso, wie wenn Euch ein Kind gestorben wäre, und man zu Euch spräche, so ist es nun dahin, es war so schön, und hätte leben können und Ihr hättet Freude an ihm gehabt — aber es ist tot — tot — tot“ —
„Wie seid Ihr doch seltsam,“ antwortete Darja Aleksandrowna, mit trübem Spott auf Lewins Bewegung blickend. „Ich verstehe jetzt immer mehr und mehr,“ fuhr sie in Gedanken versunken fort. „Ihr kommt also wohl nicht zu uns, wenn Kity hier sein wird?“
„Nein. Ich werde nicht kommen. Natürlich kann ich Katharina Aleksandrowna nicht aus dem Wege gehen, aber, wo ich kann, werde ich mich bemühen, sie von dem Unangenehmen meiner Gegenwart zu entheben.“
„Ihr seid sehr, sehr seltsam,“ wiederholte Darja Aleksandrowna, ihm voll Herzlichkeit ins Gesicht schauend. „Nun gut; thun wir also, als hätten wir nicht hiervon gesprochen. — Weshalb kommst du denn zu mir, Tanja?“ frug Darja Aleksandrowna auf französisch ihr eintretendes Töchterchen.
„Wo ist meine Schaufel, Mama?“ frug dasselbe russisch.
„Ich spreche französisch, also sprich du auch so!“
Das Kind hatte wohl französisch sprechen wollen, aber vergessen, wie Schaufel französisch heiße. Die Mutter half ihr ein und sagte ihr dann in französischer Sprache, wo sie die Schaufel suchen könne.
Auch dies erschien Lewin unangenehm. Alles überhaupt erschien ihm jetzt im Hause Darja Aleksandrownas nicht mehr so freundlich, als vorher.