„Was heißt das? Etwa die Partei des Bertenjeff gegen die russischen Kommunisten?“
„Nein,“ antwortete Serpuchowskiy, sich verfinsternd, daß man ihn einer solchen Dummheit für fähig gehalten hatte. „Tout ça est une blague; und es war stets so und wird so bleiben. Kommunisten giebt es nicht, freilich, stets haben die Menschen es für notwendig gehalten, eine schädliche und gefahrbringende Partei zu ergrübeln. Das ist eine alte Geschichte. Nein, jetzt brauchen wir eine Parteimacht von unabhängigen Männern, wie du und ich.“
„Aber wozu?“ Wronskiy nannte einige Namen von Macht und Einfluß, „sind das nicht unabhängige Männer?“
„Sie sind es deswegen nicht, weil sie von Geburt an eine Unabhängigkeit ihrer Stellung nicht gehabt haben, keinen Namen führen und der Sonne nicht so nahe stehen, unter welcher wir das Licht der Welt erblickt haben. Man kann sie entweder mit Geld erkaufen oder mit Speichelleckerei, und um es mit ihnen halten zu können, muß man für sie eine Richtung erst erfinden. Sie besitzen in der Regel wohl eine Idee, eine Richtung, an welche sie aber selbst nicht glauben und die Böses erzeugt; ihre ganze Richtung ist nur der Zweck, eine Regierungswohnung inne haben und einen Gehalt genießen zu können. Cela n'est pas plus fin que ça, sobald man ihre Karte durchschaut. Es ist ja möglich, daß ich weniger gut und dümmer bin, als sie, obwohl ich nicht einzusehen vermag, weshalb es so sein sollte, indes ich sowohl wie du, wir besitzen einen wirklichen und wichtigen Vorzug — den, daß wir uns schwerer erkaufen lassen. — Solche Männer aber sind jetzt uns mehr vonnöten, als es je der Fall gewesen ist.“
Wronskiy hörte aufmerksam zu, aber weniger der Inhalt der Worte war es, der ihn beschäftigte, als die Beziehung derselben auf Serpuchowskiys Verhältnisse, welcher bereits glaubte, sich im Kampfe mit jener Macht zu befinden und in dieser Welt bereits seine Sympathieen und Antipathieen hatte, während es für ihn selbst, für Wronskiy, nur Interessen gab, die sich auf die Eskadron bezogen.
Wronskiy erkannte auch, wie stark Serpuchowskiy mit seiner unzweifelhaften Fähigkeit, zu urteilen, die Dinge richtig aufzufassen, mit seinem Geist und seiner Redegewandtheit werden konnte, die sich so selten in den Kreisen vorfinden, in denen er lebte. So viel Überwindung es ihn kosten mochte — er mußte ihn beneiden.
„Und dennoch ist mir mit diesem einzigen und höchsten Ziele nicht genug,“ antwortete er, „mit diesem Wunsche, mächtig zu sein. Es war wohl einmal so, aber das ist vorbei.“
„Entschuldige, das ist nicht wahr,“ lächelte Serpuchowskiy.
„Doch, es ist wahr, es ist wahr — nämlich jetzt, um aufrichtig zu sein,“ fügte Wronskiy hinzu.