„Wahr — für jetzt — das ist etwas anderes; aber dieses jetzt wird nicht immerdar sein.“
„Möglich,“ versetzte Wronskiy.
„Du sagst möglich,“ fuhr Serpuchowskiy fort, als wenn er des Anderen Gedanken erraten hätte, „ich aber sage dir ‚sicherlich‘. Und aus diesem Grunde wollte ich dich sprechen. Du hast gehandelt, wie du mußtest; das verstehe ich recht wohl, aber du darfst es nicht allzuweit treiben. Ich bitte dich jetzt um carte blanche. Zu protegieren gedenke ich dich nicht, obwohl ich nicht einsehe, weshalb ich es nicht thun sollte; hast du mich doch so oft protegiert. Ich hoffe, daß unsere Freundschaft höher steht, als diese Frage; ja,“ fuhr er fort, Wronskiy mild zulächelnd, wie ein Weib, „gieb mir carte blanche, tritt aus deinem Regiment und ich bringe dich unmerklich empor.“
„Aber so begreife doch, daß ich nichts brauche,“ antwortete Wronskiy, „ich wünsche nur, es möchte alles so bleiben, wie es gewesen ist.“
Serpuchowskiy erhob sich und trat vor ihn hin.
„Du sagtest, es möchte alles so bleiben, wie es gewesen ist. Ich verstehe, was das heißen soll. So höre denn: Wir sind Schulkameraden, aber du hast vielleicht zahlreichere Weiber kennen gelernt als ich.“ Ein Lächeln und eine Geste Serpuchowskiys besagten, daß Wronskiy nicht zu befürchten brauchte, er werde etwa leise und vorsichtig die wunde Stelle berühren. „Aber ich bin verheiratet, und, glaube mir, hat man einmal die Frau erkannt, die man liebt, — so schrieb einmal Einer — so erkennt man alle Weiber besser, als hätte man sie sonst auch nach Tausenden kennen gelernt.“
— „Wir kommen gleich!“ — rief Wronskiy einem Offizier zu, welcher soeben ins Zimmer hereinblickte und die beiden zum Regimentskommandeur lud.
Wronskiy wünschte jetzt, das Ende zu hören und zu erfahren, was Serpuchowskiy ihm sagen wollte.
„Höre also meine Meinung,“ fuhr dieser fort, „die Weiber sind der größte Stein des Anstoßes in der Existenz des Mannes. Es ist schwer, ein Weib zu lieben und zugleich irgendwie zu wirken. Es giebt hierfür nur ein einziges Mittel, mit Bequemlichkeit und ohne eigne Hemmnis zu lieben — das ist die Heirat! Wie soll ich dir es doch gleich klarmachen,“ fuhr Serpuchowskiy fort, der die Vergleiche liebte, „halt, paß auf! Wie man nur ein Bündel tragen und doch dabei etwas mit den Händen verrichten kann, sobald das Bündel auf den Rücken gehängt ist, so ist es auch mit der Heirat. Dies habe ich an mir erfahren, als ich geheiratet hatte. Meine Hände waren da plötzlich wieder frei. Aber ohne die Ehe ein solches Bündel mit sich schleppen, heißt mit Händen laufen, die so vollgepackt sind, daß man nichts sonst zu thun vermag. Sieh Mazankoff, Krupoff an! Sie haben ihre Carriere durch die Weiber zu Grunde gerichtet!“
„Aber was für Weiber!“ antwortete Wronskiy, dem die Französin und die Schauspielerin ins Gedächtnis kam, mit denen jene beiden ein Verhältnis gehabt hatten.