Sie unterbrach ihn.
„War es nicht Therese, die du früher gekannt hast?“
„Ich wollte erzählen“ —
„Wie ihr Männer doch häßlich seid! Wie könnt ihr euch denken, daß ein Weib dies je vergäße,“ sprach sie, mehr und mehr in Erregung geratend, und ihm damit die Ursache ihrer Aufregung zeigend, „und besonders das Weib, welches dein Leben nicht kennen kann. Was weiß ich davon? Was habe ich davon gewußt?“ sagte sie, „nur das, was du mir selbst davon erzählst. Aber woher könnte ich wissen, ob du mir die Wahrheit damit gesagt hast?“
„Anna! Du kränkst mich. Glaubst du mir denn nicht? Habe ich dir denn nicht gesagt, daß ich keinen einzigen Gedanken hege, den ich dir nicht entdeckte?“
„Ja, ja,“ antwortete sie, offenbar im Bemühen, die Regungen der Eifersucht von sich zu weisen, „aber hättest du gewußt, wie schwer mir zu Mute ist. Ich glaube, ich glaube dir ja — doch was sagtest du?“
Er war nicht imstande, sich sofort dessen zu entsinnen, was er hatte sagen wollen. Diese Anfälle von Eifersucht, die sie in der letzten Zeit immer häufiger und häufiger überkamen, erschreckten ihn, und so sehr er sich auch mühte, es zu verbergen, stimmten ihn kühler gegen sie, obwohl er recht gut wußte, daß die Ursache dieser Eifersucht ihre Liebe zu ihm war. Wie vielmal schon hatte er sich gesagt, daß ihre Liebe für ihn ein Glück sei; und nun, da sie ihn liebte, wie ein Weib nur lieben kann, für welche alle Güter im Leben von der Liebe überwogen werden — fühlte er sich bei weitem ferner von jener Glückseligkeit, als damals, da er ihr von Moskau aus nachgereist war.
Damals hatte er sich für unglücklich gehalten, aber das Glück kam noch; jetzt fühlte er hingegen, daß das höchste Glück bereits dahinten liege. Sie war durchaus nicht mehr die Nämliche, als welche er sie in der ersten Zeit gesehen hatte; innerlich und äußerlich hatte sie sich zu ihren Ungunsten verändert. Sie war dicker geworden, und als sie von der Schauspielerin sprach, lag ein schlimmer, verderbenschwangerer Ausdruck auf ihren Zügen, der sie entstellte.
Er blickte sie an, wie ein Mensch auf eine durch ihn selbst abgerissene und nun welk gewordene Blüte schauen mag, an welcher er nur mit Mühe noch die Schönheit wiedererkennt, wegen deren er sie brach und dem Untergange weihte.
Außerdem aber fühlte er auch, daß er seine Liebe damals, als sie noch stärker war, wenn er ernstlich gewollt hätte, aus seinem Herzen zu reißen vermocht haben würde. Jetzt aber, da ihm, wie in dem gegenwärtigen Augenblick, schien, als ob er gar keine Liebe zu ihr empfinde, jetzt erkannte er, daß sein Bund mit ihr nicht mehr gelöst werden könne.