„Ihr könnt meine Lage nicht schlimmer darstellen, als wie ich selbst sie kenne; aber weshalb sagt Ihr das alles?“
„Weshalb ich das sage? Weshalb?“ fuhr er fort, noch ebenso wutentbrannt. „Damit Ihr wüßtet, daß ich, da Ihr meinen Willen bezüglich der Beobachtung der Regeln des Anstandes nicht erfüllt habt, Maßregeln ergreifen werde, um diese Situation zum Abschluß zu bringen!“
„Bald, bald wird sie ihr Ende auch so erreicht haben,“ antwortete sie und wiederum traten ihr die Thränen bei dem Gedanken an den nahen, jetzt erwünschten Tod in die Augen.
„Es wird schneller vorbei sein, als Ihr mit Eurem Liebhaber gedacht haben mögt! Ihr bedürft der Befriedigung einer materiellen Leidenschaft.“ —
„Aleksey Aleksandrowitsch! Ich will nicht sagen, daß es nur wenig großmütig wäre, es ist nicht einmal in der Ordnung, einen Gefallenen noch zu schlagen!“
„Ihr denkt eben nur an Euch! Aber die Leiden eines Menschen, der Euer Gatte war, interessieren Euch nicht. Es ist Euch ganz gleichgültig, daß das ganze Dasein desselben vernichtet ist, daß er unsagbar gesi — — gesitten!“ — — Aleksey Aleksandrowitsch sprach so überstürzt, daß er sich verwickelte und nicht imstande war, das Wort „gelitten“ herauszubringen. Dies erschien ihm komisch, ja selbst beschämend, weil es ihr in diesem Augenblick lächerlich erscheinen konnte.
Zum erstenmal empfand sie für eine Sekunde etwas für ihn, sie versetzte sich in ihn und er that ihr leid. Aber was konnte sie sagen oder thun? Sie senkte das Haupt und schwieg. Er schwieg gleichfalls einige Zeit, und sprach dann mit weniger pfeifender, kalter Stimme weiter, einige willkürlich gewählte Worte sprechend, ohne daß sie eine besondere Wichtigkeit besessen hätten.
„Ich bin gekommen, Euch zu sagen,“ — begann er.
Sie schaute ihn an. „Nein,“ dachte sie, sich den Ausdruck seines Gesichts vergegenwärtigend, wie er sich verwickelt und nicht richtig zu sprechen vermocht hatte, „nein, es schien mir wohl nur so; sollte dieser Mann mit den matten Augen, mit dieser selbstzufriedenen Ruhe, etwas fühlen können?“
„Ich vermag nichts zu ändern,“ flüsterte sie.