Die grauen Augen des Advokaten bemühten sich, nicht zu lachen, aber sie hüpften förmlich in nicht zu verhaltender Freude, und Aleksey Aleksandrowitsch sah, daß es sich hier nicht allein um die Freude eines Menschen handelte, welcher einen guten Auftrag erhalten hatte, sondern daß hier ein Triumph, ein Entzücken, ein Glanz wahrnehmbar wurde, der jenem bösartigen Feuer ähnlich war, wie er es in den Augen seines Weibes gesehen hatte.

„Ihr wünscht nun meine Mitwirkung für die Vollziehung der Ehescheidung?“

„Allerdings, doch ich muß Euch zuvor darauf hinweisen, daß ich mir erlaube, Eure Aufmerksamkeit zu mißbrauchen. Ich bin zunächst nur gekommen, um mich vorläufig mit Euch zu beraten. Ich wünsche die Trennung, aber für mich sind die Formen wichtig, unter denen sie zu ermöglichen ist. Es könnte leicht der Fall sein, daß ich, wenn die Formen mit meinen Forderungen nicht zusammenfallen, von einer gesetzlichen Ehescheidung absehen würde.“

„O, das bliebe ja immer in Euer Ermessen gestellt,“ antwortete der Rechtsanwalt, und senkte dabei die Augen nach den Füßen Aleksey Aleksandrowitschs in dem Gefühl, daß er mit dem Ausdruck seiner unbezähmbaren Freude den Klienten verletzen könnte; dann schaute er nach einer Motte, die vor seiner Nase tanzte und machte eine Armbewegung, fing sie aber nicht, aus Achtung vor der Lage Aleksey Aleksandrowitschs.

„Obgleich mir in allgemeinen Umrissen unsere gesetzlichen Bestimmungen über diesen Gegenstand bekannt sind,“ fuhr dieser fort, „so würde ich doch im allgemeinen diejenigen Formalitäten zu erfahren wünschen, nach welchen in der Praxis Angelegenheiten ähnlicher Art zur Erledigung gelangen.“

„Ihr wünscht,“ antwortete der Rechtsanwalt, ohne die Augen zu erheben, und nicht ohne Vergnügen auf den Ton der Rede seines Klienten eingehend, „daß ich Euch die verschiedenen Verfahren nach denen eine Erfüllung Eurer Absicht möglich wird, angebe.“ Auf das bestätigende Kopfnicken Aleksey Aleksandrowitschs fuhr er fort, nur bisweilen verstohlen auf das mit roten Flecken sich bedeckende Gesicht Aleksey Aleksandrowitschs schauend —: „Die Ehescheidung nach unseren Gesetzen,“ — er sprach mit einem leichten Anflug von Mißbilligung der russischen Gesetze — „ist möglich, wie Euch bekannt, in folgenden Fällen“:

— „Warten!“ — wandte er sich zu dem in der Thür erscheinenden Diätisten, stand aber gleichwohl auf, sprach einige Worte und ließ sich erst dann wieder nieder; —

„In folgenden Fällen: Dem der physischen Unfähigkeit der Gatten; in dem einer fünfzigjährigen Verschollenheit des einen Teils;“ er sagte dies, den einen kurzen mit Haaren bewachsenen Finger ausstreckend, „ferner bei Ehebruch;“ er hob dieses Wort mit sichtlichem Vergnügen hervor, „die folgenden Unterabteilungen,“ er fuhr fort, seine dicken Finger auszustrecken, obwohl sich die drei Hauptfälle und die Unterabteilungen offenbar nicht fortlaufend mit Ziffern bezeichnen ließen, „physische Unfähigkeit des Mannes oder des Weibes; ferner Ehebruch seitens des Mannes oder des Weibes,“ als alle Finger ausgestreckt waren, spreizte er sie auseinander und fuhr fort: „Dies ist die theoretische Anschauung, doch glaube ich, Ihr gebt mir die Ehre, nochmals zu mir zu kommen, damit ich die thatsächliche Lage kennen lernen kann. Dann muß ich, an der Hand der Antecedenzfälle, Euch noch mitteilen, daß die Ehescheidungsfälle alle von den letzteren abhängen. Physische Unfähigkeit ist nicht vorhanden, wie ich annehmen darf? Auch nicht Verschollenheit.“ —

Aleksey Aleksandrowitsch nickte bestätigend mit dem Kopfe.