„Ich habe mich nicht übereilt,“ antwortete Aleksey Aleksandrowitsch kühl, „und konnte mich auch in einer solchen Angelegenheit mit niemandem beraten. Ich bin fest entschlossen.“

„Das ist ja entsetzlich!“ erwiderte Stefan Arkadjewitsch schwer seufzend. „Ich würde Eines gethan haben, Aleksey Aleksandrowitsch, und ich beschwöre dich, thue das!“ sagte er, „der Prozeß ist noch nicht begonnen, so weit ich verstanden habe. Sprich doch, bevor du denselben eröffnest, einmal mit meiner Frau, sprich mit ihr. Sie liebt Anna wie ihre Schwester, sie liebt auch dich, und sie ist ein bewundernswürdiges Weib. Um Gott, sprich mit ihr! Erweise mir diesen Freundschaftsdienst, ich beschwöre dich!“

Aleksey Aleksandrowitsch begann nachzudenken und Stefan Arkadjewitsch schaute mit Teilnahme auf ihn, ohne sein Schweigen zu unterbrechen.

„Wirst du dich zu ihr begeben?“

„Ich weiß nicht; eben deshalb bin ich ja nicht zu Euch gekommen. Ich glaube, unsere Beziehungen werden sich verändern müssen.“

„Weshalb? Das sehe ich nicht ein. Laß mich der Meinung bleiben, daß du, abgesehen von unseren verwandtschaftlichen Beziehungen, mir gegenüber wenigstens zum Teil dieselben freundschaftlichen Empfindungen hegst, die ich stets für dich empfunden habe. Meine aufrichtige Hochachtung,“ sagte Stefan Arkadjewitsch, ihm die Hand drückend. „Selbst für den Fall, daß deine schlimmsten Annahmen gerechtfertigt wären, werde ich mir nie erlauben, werde ich es nie auf mich nehmen, die eine oder die andere Partei zu richten, und ich sehe daher keinen Grund, weshalb unsere Beziehungen eine Änderung erleiden sollten. Jetzt aber erweise mir diesen Dienst; fahre mit zu meiner Frau.“

„Wir betrachten eben von verschiedenen Standpunkten aus diese Angelegenheit,“ versetzte Aleksey Aleksandrowitsch kalt, „doch sprechen wir nicht mehr davon.“

„Aber warum könntest du nicht kommen? Wenigstens heute mit uns essen? Meine Frau erwartet dich; bitte komm mit. Und was die Hauptsache ist, sprich mit ihr! Sie ist ein bewundernswürdiges Weib. Um Gottes willen und auf meinen Knieen beschwöre ich dich!“

„Wenn Ihr es denn so sehr wünscht — will ich mitkommen,“ antwortete Aleksey Aleksandrowitsch seufzend.

Um das Thema zu ändern, frug er nach etwas, was sie beide interessierte — über den neuen Vorgesetzten Stefan Arkadjewitschs, einen noch jungen Mann, welcher plötzlich zu einer so hohen Stellung gelangt war.