„Befreie dein Gesicht und blicke ihn an. Er ist ein Heiliger,“ sagte sie. „Ja, befreie, befreie dein Gesicht!“ gebot sie heftig, „Aleksey Aleksandrowitsch, mach ihm das Gesicht frei. Ich will es sehen!“

Aleksey Aleksandrowitsch nahm die Hände Wronskiys und entfernte sie von dessen Gesicht, welches erschreckend erschien mit seinem Ausdruck von Schmerz und Scham, der auf ihm lag.

„Gieb ihm die Hand. Verzeihe ihm!“

Aleksey Aleksandrowitsch reichte ihm seine Hand, ohne die Thränen zurückhalten zu können, die ihm aus den Augen strömten.

„Gott sei gedankt, Gott sei gedankt!“ begann sie wieder, „jetzt ist alles bereit. Die Füße nur noch ein klein wenig mehr strecken. So, so ist es schön. Wie diese Blumen doch geschmacklos gemacht sind, so ganz unähnlich dem Veilchen,“ sagte sie, auf die Tapete weisend. „Mein Gott, mein Gott, wann wird es vorüber sein. Gebt mir Morphium. Doktor, Morphium! Mein Gott. Mein Gott!“ —


Der Arzt und seine Kollegen hatten gesagt, es sei ein Wochenbettfieber, in welchem unter hundert Fällen neunundneunzig mit dem Tode enden. Den ganzen Tag hindurch hatte Fieber, Delirium und Bewußtlosigkeit geherrscht und um Mitternacht lag die Kranke ohne Empfindung und fast ohne Puls. Man erwartete jede Minute das Ende.

Wronskiy war nach Haus gefahren, erschien aber am Morgen wieder, um sich zu erkundigen, und Aleksey Aleksandrowitsch, ihm im Vorzimmer entgegentretend, sagte: „Bleibt hier, es könnte sein, daß sie nach Euch früge,“ worauf er ihn selbst in das Kabinett seiner Frau geleitete. Am Morgen war wiederum jene Aufregung, Lebhaftigkeit und Hast in Denken und Sprechen eingetreten, und hatte abermals mit Bewußtlosigkeit geendet. Am dritten Tage war es ebenso und die Ärzte äußerten, daß nunmehr Hoffnung sei.

An diesem Tage trat Aleksey Aleksandrowitsch in das Kabinett, in welchem Wronskiy saß und ließ sich, die Thüre abschließend, diesem gegenüber nieder.

„Aleksey Aleksandrowitsch,“ begann Wronskiy in dem Gefühl, daß jetzt die Erklärung nahe, „ich kann weder etwas sprechen, noch etwas verstehen. Schont mich. So schwer Euch zu Mute sein mag; glaubt mir, mir ist es noch furchtbarer.“