„Verzieht, Fürstin, mit dem Anziehen des Handschuhs — laßt mich Eure schöne Hand küssen. Für nichts bin ich der Rückkehr zu den alten Sitten so dankbar, als für den Handkuß.“ Er küßte Betsys Hand, „wann werden wir uns wiedersehen?“

„Leichtfuß!“ antwortete Betsy lächelnd.

„O; ich bin sehr viel wert, denn ich bin ein Mensch von Bedeutung geworden, da ich nicht nur meine eigenen, sondern auch fremde Familienangelegenheiten in Ordnung bringe,“ sagte er mit wichtiger Miene.

„Ah, das freut mich sehr,“ versetzte Betsy, die sogleich verstand, daß er von Anna sprach, und in den Saal zurückkehrend, traten sie in eine Ecke. „Er wird sie umbringen,“ raunte ihm Betsy bedeutungsvoll zu, „das ist doch unmöglich, unmöglich!“ —

„Es freut mich sehr, daß Ihr so denkt,“ antwortete Stefan Arkadjewitsch kopfschüttelnd und mit ernsthaftem, wehmütigem und mitleidigem Ausdruck, „ich bin deswegen von Petersburg hergekommen.“

„Die ganze Stadt spricht davon,“ sagte sie, „es ist eine unmögliche Situation, Anna schwindet mehr und mehr dahin, und begreift nicht, daß sie eine von jenen Frauen ist, welche mit ihren Empfindungen nicht tändeln dürfen. Es ist hier nur Eines von zwei Dingen möglich: Entweder man nimmt sie mit fort und handelt energisch, oder — Ehescheidung. — Diese Lage aber erdrückt sie.“

„Ja, ja wohl — so ist es,“ — sagte Oblonskiy seufzend, „deswegen bin ich eben hergekommen — das heißt, nicht eigentlich deswegen — ich bin Kammerherr geworden — nun, — und da muß man Dankvisiten abstatten. Aber die Hauptsache ist doch die Ordnung dieser Angelegenheit.“

„Gott helfe Euch dabei,“ antwortete Betsy.

Nachdem Stefan Arkadjewitsch die Fürstin Betsy bis auf den Flur hinaus begleitet und ihr nochmals die Hand oberhalb des Handschuhs, wo der Puls schlägt geküßt, ihr auch nochmals eine solche Menge schlüpfriger Albernheiten vorgelogen hatte, daß sie nicht mehr wußte, ob sie böse werden oder lachen sollte, begab sich Stefan Arkadjewitsch zu seiner Schwester. Er fand diese in Thränen.