Er erkannte wiederum an ihrem schreckenvollen Blick, daß dieser einzige Ausweg, nach ihrer Meinung, der Tod sei, und ließ sie abermals nicht ausreden.
„Keineswegs,“ sagte er, „gestatte. Du kannst deine Lage nicht so erkennen, wie ich. Laß mich dir aufrichtig meine Meinung äußern.“ Er lächelte abermals vorsichtig in seiner süßen Art. „Ich will zunächst damit beginnen: Du hast einen Mann geheiratet, der zwanzig Jahre älter ist als du. Du hast diesen Mann ohne Liebe geheiratet oder vielmehr, ohne die Liebe kennen gelernt zu haben. Dies war ein Fehler, wollen wir sagen.“
„Ein furchtbarer Fehler,“ sagte Anna.
„Doch ich wiederhole: Derselbe ist eine vollendete Thatsache; du hattest darauf — ich will sagen — das Unglück, deinen Mann nicht zu lieben. Dies ist ein Unglück, auch das ist eine vollendete Thatsache. Dein Mann hat das anerkannt und dir verziehen.“ Er hielt nach jedem Satze inne, eine Erwiderung erwartend, doch sie entgegnete nichts. „So steht es, jetzt aber ist die Frage, kannst du fortfahren, mit deinem Manne zusammenzuleben? Wünschest du das? Wünscht er das?“
„Ich weiß nichts, nichts.“
„Aber du selbst hast doch gesagt, daß du ihn nicht ausstehen kannst.“
„Nein, das habe ich nicht gesagt. Ich stelle das in Abrede; ich weiß nichts und begreife nichts.“
„Aber erlaube doch“ —
„Du kannst das nicht verstehen. Ich fühle, daß ich mit dem Kopfe zuerst in einen Abgrund hinabstürze und mich nicht retten darf; es auch nicht kann.“