„Stefan sagt, daß mein Mann mit allem einverstanden sei, aber ich vermag seine Großmut nicht anzunehmen,“ sagte sie, nachdenklich an dem Gesicht Wronskiys vorbeischauend. „Ich will die Scheidung nicht, mir ist jetzt alles gleichgültig. Nur weiß ich nicht, was er über Sergey beschließen wird.“

Er vermochte nicht zu begreifen, wie sie in diesem Augenblick des Wiedersehens an ihren Sohn und die Ehescheidung denken konnte. War ihr denn nicht alles gleichgültig?

„Sprich nicht davon, denke nicht,“ versetzte er, ihre Hand in der seinen wendend und sich bemühend, ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, doch sie schaute ihn noch immer nicht an.

„Ach, warum bin ich nicht gestorben; es wäre besser gewesen!“ sprach sie und ohne daß sie schluchzte, liefen ihr die Thränen über beide Wangen; doch sie bemühte sich, zu lächeln, um ihn nicht zu verstimmen.

Die ehrende und gefährliche Ordre nach Taschkent abzulehnen, war nach den früheren Begriffen Wronskiys schmachvoll und unmöglich gewesen. Jetzt aber schlug er dieselbe, ohne sich eine Minute zu besinnen, aus und ging, die Mißbilligung seiner Handlungsweise seitens seiner Vorgesetzten bemerkend, auf Urlaub.

Nach Verlauf eines Monats war Aleksey Aleksandrowitsch allein mit seinem Söhnchen in seinem Hause. Anna und Wronskiy waren in das Ausland gereist, ohne die Ehescheidung erlangt zu haben, und hatten sich definitiv von ihm losgesagt.

Fußnote:

[B] Ein unübersetzbares Wortspiel, welches darauf beruht, daß im Russischen „Quartier“ und „Ehescheidung“ „rasvód“ heißt.

Ende des ersten Bandes.