„Ah, Aleksey,“ sagte dieser. „Welche Niedrigkeit! Diese Närrin — weiter ist sie nichts! Ich wollte soeben zu ihr gehen. Komm, wir gehen zusammen.“ —

Wronskiy hörte ihn nicht. Mit schnellen Schritten stieg er hinunter; er empfand, daß er etwas thun müsse, wußte aber nicht, was. Sein Verdruß über Anna, daß sie sich und ihn in eine so schiefe Lage gebracht hatte, doch auch das Mitleid mit ihr wegen ihrer Leiden, versetzten ihn in Aufregung. Er ging hinunter ins Parterre und schritt geradenwegs auf den Platz Annas zu. Neben diesem stand Stremoff, der sich mit ihr unterhielt.

„Tenöre giebt es eben nicht mehr. Le moule en est brisé!“

Wronskiy verneigte sich vor ihr und blieb stehen, Stremoff begrüßend.

„Ihr scheint spät gekommen zu sein und die besten Arien nicht gehört zu haben,“ sagte Anna zu Wronskiy, ihn spöttisch anblickend, wie ihm schien.

„Ich bin ein schlechter Kritiker,“ antwortete er, streng auf sie schauend.

„Wie der Fürst Jaschwin,“ sagte sie lächelnd, „welcher findet, daß die Patti zu laut singt. Ich danke Euch,“ mit der kleinen Hand im hohen Handschuh einen von Wronskiy aufgehobenen Theaterzettel nehmend; und plötzlich, in diesem Augenblick, erbebten ihre schönen Züge. Sie stand auf und begab sich in die Tiefe der Loge.

Als Wronskiy bemerkt hatte, daß im folgenden Akt ihre Loge leer war, ging er, während sich in dem bei den Tönen einer Kavatine stillgewordenen Theater ein Zischeln erhob, aus dem Parterre und fuhr heim.

Anna war schon zu Haus. Als Wronskiy bei ihr eintrat, befand sie sich noch in der Toilette, in welcher sie im Theater gewesen war. Sie saß auf dem nächsten an der Wand stehenden Lehnstuhl und starrte vor sich hin. Sie blickte ihn an und nahm dann ihre frühere Stellung wieder ein.