„Nein, gestatte,“ fuhr die Mutter fort, „du selbst wolltest mir ja nicht gestatten, mit Wronskiy Rücksprache zu nehmen. Weißt du noch?“
„Ach, Mama!“ sagte Kity mit einem Ausdruck von Leiden.
„Deine Beziehungen zu ihm konnten ja nicht weitergehen als sie durften; ich selbst würde ihn noch ermutigt haben. Doch im übrigen, liebe Seele, taugt es nicht für dich, wenn du dich erregst. Denke, bitte, hieran, und beruhige dich.“
„Ich bin vollkommen ruhig, maman.“
„Wie war es doch zum Glück damals für Kity, daß Anna kam,“ sagte Dolly, „und wie verhängnisvoll wurde das für sie selbst. Da haben wir es gerade umgekehrt,“ fügte sie hinzu, betroffen über ihren eigenen Gedanken. „Damals war Anna so glücklich und Kity hielt sich für unglücklich. Welch ein völliger Umschlag! Ich denke oft an sie.“
„Das wäre das Weib, an welches man denken dürfte! Ein häßliches, ausschweifendes Weib ohne Herz,“ sprach die Mutter, welche nicht vergessen konnte, daß Kity nicht einen Wronskiy, sondern einen Lewin geheiratet hatte.
„Was ist es für ein Vergnügen, hiervon zu sprechen,“ fuhr Kity voll Verdruß fort, „ich denke nicht daran und will nicht daran denken. Ich will nicht daran denken,“ sprach sie, dabei dem wohlbekannten Klang der Schritte ihres Mannes auf den Stufen zur Terrasse lauschend.
„Wovon ist denn die Rede ‚ich will nicht daran denken?‘“ frug Lewin, die Terrasse betretend.
Niemand antwortete ihm, und er wiederholte seine Frage nicht.
„Ich bedaure, euer Frauenreich gestört zu haben,“ sprach er, mißvergnügt alle anblickend und wohl gewahrend, daß man über etwas gesprochen hatte, wovon man in seiner Gegenwart nicht geredet haben würde.