„Und noch jemand ist mit! Wahrscheinlich der Papa!“ rief Lewin, am Eingang der Allee stehen bleibend. „Kity geh nicht zu der steilen Treppe herunter!“
Lewin irrte indes, wenn er den, der noch im Wagen saß, für den alten Fürsten gehalten hatte. Als er dem Wagen näher kam, erkannte er neben Stefan Arkadjewitsch nicht den Fürsten, sondern einen rot aussehenden, wohlbeleibten, jungen Mann in schottischer Mütze mit langen Bandstreifen hinten hinunter.
Dies war Wasjenka Wjeslowskij, ein Vetter im dritten Gliede von den Schtscherbazkiy, und ein in Petersburg und Moskau glänzender junger Mann, „ein ausgezeichneter Mensch und leidenschaftlicher Jäger“, wie ihn Stefan Arkadjewitsch vorstellte.
Durchaus nicht verlegen über die Enttäuschung, die er hervorrief, indem er mit seiner Person die des alten Fürsten vertrat, begrüßte Wjeslowskij Lewin heiter, an die alte Bekanntschaft erinnernd, und Grischa in den Wagen hebend, setzte er denselben an des Pointeurs Stelle, den Stefan Arkadjewitsch mitgebracht hatte, weiterfahrend.
Lewin setzte sich nicht mit in den Wagen, sondern ging hinterdrein. Er war verdrießlich, daß der alte Fürst nicht mitgekommen war, den er umsomehr liebte, je mehr er ihn kennen lernte, sowie darüber, daß dieser Wasjenka Wjeslowskij, ein vollständig fremder und überflüssiger Mensch erschienen war. Derselbe kam ihm um so fremder und überflüssiger vor, als er, indem Lewin zur Freitreppe schritt, auf welcher sich der ganze lebhafte Trupp der Erwachsenen und Kinder versammelt hatte, bemerkte, wie Wasjenka Wjeslowskij mit besonderer Zärtlichkeit und galanter Miene Kity die Hand küßte.
„Aha, wir sind ja Cousins mit Eurer Frau und alte Bekannte,“ sagte Wasjenka Wjeslowskiy, die Hand Lewins wiederholt außerordentlich stark drückend.
„Nun, giebt es viel Wild hier?“ wandte sich Stefan Arkadjewitsch an Lewin, der kaum mit der Begrüßung eines jeden fertig wurde. „Ich und der da, wir haben die ernstesten Absichten. Nun maman, seit dem letzten Male nicht wieder in Moskau gewesen! Tanja, für dich habe ich Etwas! Hole dir's, im Wagen, hinten,“ so sprach er nach allen Seiten. „Wie du dich erholt hast, Dollchen,“ sagte er zu seiner Frau, ihr nochmals die Hand küssend, indem er dieselbe in der seinen hielt und sie von oben mit der andern sanft pätschelte.
Lewin, eine Minute zuvor noch in der heitersten Stimmung gewesen, blickte jetzt finster auf alle; es gefiel ihm jetzt nichts mehr.
„Wen mag er gestern mit diesen Lippen da geküßt haben?“ dachte er, die Zärtlichkeit Stefan Arkadjewitschs für seine Gattin sehend. Er schaute Dolly an, und auch sie gefiel ihm nicht. „Sie glaubt doch nicht an seine Liebe. Weshalb ist sie denn so erfreut? — Widerlich,“ dachte Lewin.
Er schaute auf die Fürstin, die einen Augenblick zuvor noch so liebenswürdig mit ihm gewesen war, und es gefiel ihm die Art und Weise nicht, mit welcher sie diesen Wasjenka mit seinen Bändern bewillkommte, als lüde sie ihn in ihr eigenes Haus.