Lewin sah diesen Blick. Er erblich und vermochte eine Minute nicht, Atem zu schöpfen. „Wie kann man sich erlauben, so auf mein Weib zu schauen,“ schäumte es in ihm.

„Also morgen? Fahren wir also,“ sagte Wasjenka, sich auf den Stuhl niederlassend und wiederum nach seiner Gewohnheit den Fuß unterschlagend.

Die Eifersucht Lewins stieg noch höher. Er sah sich schon als betrogenen Gatten, den die Frau und ihr Liebhaber nur dazu brauchen, ihnen die Annehmlichkeiten des Lebens und Vergnügungen zu gewähren. Aber nichtsdestoweniger frug er Wasjenka liebenswürdig und gastfreundlich nach seinen Jagdzügen, seinem Gewehr, den Stiefeln und war einverstanden damit, morgen zu fahren.

Zum Glück für Lewin kürzte die alte Fürstin seine Leiden dadurch, daß sie sich erhob und Kity anriet, schlafen zu gehen. Aber auch hierbei ging es nicht ohne einen neuen Schmerz für Lewin ab. Als sich Wasjenka von der Frau des Hauses verabschiedete, wollte er wiederum ihre Hand küssen, allein Kity sagte errötend, und mit einer naiven Herbheit, wegen der ihr später die alte Fürstin Vorwürfe machte, indem sie ihm ihre Hand entzog: „Das ist bei uns nicht üblich!“

In den Augen Lewins war sie dadurch schuldig, daß sie solche Beziehungen überhaupt zugelassen hatte, und noch schuldiger, weil sie so ungeschickt bewiesen hatte, daß dieselben ihr nicht gefielen.

„Was ist das für ein Vergnügen zu schlafen!“ sprach Stefan Arkadjewitsch, nachdem er beim Abendessen einige Gläser Wein geleert hatte und in seine gemütliche und poetische Stimmung geraten war. „Sieh Kity,“ sagte er, auf den hinter den Linden heraufsteigenden Mond weisend, „wie reizend! Wjeslowskij, das wäre etwas, wenn du eine Serenade singen willst. Weißt du, er hat nämlich eine großartige Stimme, wir haben zusammen unterwegs gesungen. Er hat schöne Romanzen mit, zwei neue; die könnte man mit Barbara Andrejewna singen!“


Als sich alles schon zurückgezogen hatte, ging Stefan Arkadjewitsch mit Wjeslowskij noch in der Allee spazieren, und man hörte ihre Stimmen in der neuen Romanze.

Lewin saß, den Stimmen lauschend, finster in dem Lehnstuhl im Schlafgemach seiner Frau und schwieg hartnäckig auf deren Fragen, was er denn habe; doch als sie endlich selbst schüchtern lächelnd frug: „hat dir etwa irgend etwas mit Wjeslowskij nicht gefallen?“ da brach es hervor aus ihm, und er sagte alles. Das, was er aber hervorbrachte, kränkte ihn, und erzürnte ihn nur so noch mehr.