Er stand vor ihr mit furchtbar unter den finsterzusammengezogenen Brauen blitzenden Augen, und preßte die starken Hände auf die Brust, als biete er alle seine Kräfte auf, an sich zu halten. Der Ausdruck seines Gesichtes wäre rauh und selbst hart gewesen, wenn nicht zugleich auch der Schmerz sich darauf ausgeprägt hätte, was sie rührte. Seine Kinnbacken knirschten und seine Stimme brach ab.

„Verstehe wohl, daß ich nicht etwa eifersüchtig bin; dies ist ein häßliches Wort! Ich kann nicht eifersüchtig sein und glauben, daß — ich kann nicht sagen, was ich fühle, doch dies ist furchtbar! Ich bin nicht eifersüchtig, aber beleidigt, erniedrigt, dadurch, daß jemand wagt, zu denken — wagt, mit solchen Augen auf dich zu blicken!“ — —

„Aber mit was für Augen?“ sagte Kity, sich bemühend, so gewissenhaft als möglich sich alle ihre Reden und Bewegungen vom heutigen Abend, sowie alle Schattierungen derselben ins Gedächtnis zurückzurufen.

Auf dem Grund ihrer Seele fand sie, daß in jener Minute, als er ihr nach dem andern Ende des Tisches gefolgt war, in der That etwas gelegen hatte, aber sie wagte dies nicht einmal auch nur sich selbst einzugestehen, und entschloß sich daher um so weniger, es ihm zu sagen und dadurch seinen Schmerz noch zu vergrößern.

„Was soll nur Anziehendes sein an mir, wie ich jetzt bin“ —

„Ach!“ rief er, sich an den Kopf greifend; „hättest du nicht so gesprochen — das heißt also, wenn du anziehend gewesen wärest“ —

„Mein Konstantin, halt ein, höre doch!“ — sprach sie, ihn mit leidendem und mitleidvollem Ausdruck anblickend. „Was denkst du nur? Wo es für mich doch keinen Menschen giebt, keinen, keinen! Willst du, daß ich niemand hier sehen soll?“

In der ersten Minute war seine Eifersucht beleidigend für sie gewesen; es war ihr verdrießlich gewesen, daß ihr auch die kleinste Zerstreuung, selbst die unschuldigste, untersagt wurde; jetzt aber hätte sie sich gern, nicht in solchen Kleinigkeiten, sondern in allem für seine Ruhe geopfert, um ihn von dem Schmerz zu befreien, den er litt.

„Begreife doch nur das Entsetzliche und das Komische meiner Lage,“ fuhr er in verzweifeltem Flüsterton fort, „daß er in meinem Hause ist, daß er nichts Unanständiges begangen hat, abgesehen von jener Ungezwungenheit und dem Übereinanderschlagen seiner Füße. Er hält dies für den besten Ton, und demzufolge muß ich noch mit ihm liebenswürdig sein!“