„So wollen wir in den Garten gehen.“
Im Garten stießen sie auf einen Mann, welcher den Weg säuberte. Aber ohne daran zu denken, daß der Mann ihr verweintes Gesicht sehe und Lewins erregte Züge, ohne daran zu denken, daß sie den Anblick von Menschen boten, welche vor einem Unglück fliehen, gingen sie mit schnellen Schritten vorwärts im Gefühl, daß sie sich aussprechen und gegenseitig überzeugen müßten; von einer und derselben Qual eingenommen oder befreit werden müßten, die sie beide empfanden.
„So läßt sich nicht leben! Das ist eine Qual! Ich leide, du leidest! Und weshalb?“ sagte sie, als beide endlich zu einer abgelegenen Bank in der Ecke einer Lindenallee gekommen waren.
„Sage mir nur das Eine: War in seinem Tone etwas Unehrerbietiges, Unlauteres, Erniedrigendes?“ sprach er, vor sie wieder in der nämlichen Stellung tretend, die Fäuste auf der Brust, wie er in jener Nacht vor ihr gestanden.
„Es lag etwas darin,“ sagte sie mit zitternder Stimme. „Aber, mein Konstantin, siehst du denn nicht, daß ich gar nicht schuldig bin? Seit dem Morgen schon wollte ich einen Ton annehmen — aber diese Menschen — warum ist er nur gekommen? Wie glücklich waren wir!“ sprach sie, tiefatmend vor Schluchzen, welches ihren sich allmählich füllenden Körper hob.
Der Gärtner sah mit Verwunderung — trotzdem, daß sie nichts verfolgte und sie nichts zu fliehen hatten, daß auch auf der Bank nichts besonderes Erfreuliches zu finden sein konnte — daß sie an ihm vorüber nach dem Hause zurückkehrten, mit beruhigten, freudeschimmernden Gesichtern.
15.
Nachdem Lewin sein Weib hinausbegleitet hatte, begab er sich in die Gemächer Dollys. Darja Aleksandrowna ihrerseits war den ganzen Tag in großer Erbitterung gewesen. Sie ging im Zimmer auf und ab und sprach zornig zu ihrem in der Ecke stehenden weinenden kleinen Töchterchen.
„Den ganzen Tag wirst du in der Ecke stehen und allein zu Mittag essen; du sollst nicht eine einzige Puppe mehr zu sehen bekommen und auch kein neues Kleid laß ich dir machen,“ sprach sie, gar nicht mehr wissend, womit sie sie noch weiter strafen sollte. „Nein, ist das ein häßliches Kind!“ wandte sie sich zu Lewin. „Woher kommen bei ihr diese schlimmen Neigungen?“