„Was hat sie denn begangen?“ sagte ziemlich gleichgültig Lewin, der sich über seine eigene Angelegenheit Rats zu erholen gewünscht hatte, und dem es daher verdrießlich war, daß er zur unrechten Zeit kam.
„Sie sind mit Grischa nach den Himbeeren gegangen und dort — ich kann dir gar nicht sagen, was sie gethan hat! Tausendmal bedauere ich Miß Elliot. Die jetzige Gouvernante übt um keinen Preis Aufsicht. Sie ist eine Maschine. Figurez vous, que la petite“ — und Darja Aleksandrowna erzählte das Vergehen Maschas.
„Dies beweist noch gar nichts; dies sind durchaus keine häßlichen Neigungen, es ist einfach Mitleid,“ beruhigte sie Lewin.
„Aber du bist wie mißgestimmt? Weshalb kamst du?“ frug Dolly, „wie geht es drüben?“
An dem Tone dieser Frage hörte Lewin, daß es ihm leicht sein würde, zu sagen, was er zu sagen beabsichtigte.
„Ich war nicht drüben, ich war mit Kity allein im Garten. Wir haben uns ein zweites Mal gezankt, seit — Stefan gekommen ist.“ —
Dolly blickte ihn mit klugen, verständnisvollen Augen an.
„Nun, sag' mir, Hand aufs Herz, wäre etwa nicht — nicht bei Kity, sondern bei jenem Herrn ein Ton, welcher unangenehm werden kann, nicht nur unangenehm, sondern furchtbar, verletzend für einen Gatten?“
„Das heißt — wie soll ich sagen — du bleibst stehen, in der Ecke!“ — wandte sie sich zu Mascha, welche, ein kaum bemerkbares Lächeln auf dem Gesicht der Mutter gewahrend, sich umgedreht hatte; „die Meinung der Welt wäre die, daß er sich benimmt, wie sich alle jungen Männer benehmen. Il fait la cour à une jeune et jolie femme, ein Mann von Welt aber darf nur geschmeichelt sein hiervon.“
„Ja, ja,“ versetzte Lewin düster, „aber hast du es bemerkt?“