Der Abend verging voll Glück und Heiterkeit mit der Fürstin Barbara, welche gegen Wronskiy klagte, daß Anna in seiner Abwesenheit Morphium genommen habe.

„Was ist zu thun? Ich konnte nicht schlafen. Meine Gedanken hinderten mich daran. Wenn er da ist, nehme ich es fast nie; — fast nie.“ —

Er erzählte nun von den Wahlen, und Anna verstand es, ihn dabei mit ihren Fragen auf dasjenige zu bringen, was ihn aufheiterte, auf seinen Erfolg. Sie erzählte ihm von allem, was ihn daheim interessieren konnte, und alle ihre Nachrichten waren nur die freundlichsten.

Spät am Abend indessen, nachdem sie allein waren, wünschte Anna, welche sah, daß sie ihn wieder vollständig beherrschte, den lastenden Eindruck seines Blickes, den er infolge ihres Schreibens auf sie gerichtet hatte, zu verwischen.

„Gestehe, dir war es verdrießlich, das Schreiben zu empfangen und du hast mir nicht geglaubt?“

Sie hatte dies kaum gesagt, als sie auch schon erkannte, daß ihr Wronskiy, so liebevoll für sie er auch gestimmt sein mochte, dies nicht vergeben habe.

„Ja,“ antwortete er. „Der Brief war so befremdend. Bald war Any krank, bald wolltest du selbst kommen.“

„Es war alles wahr.“

„Daran zweifle ich auch gar nicht.“

„Doch; du zweifelst. Du bist mißgestimmt; ich sehe es.“